Von Esther Knorr-Anders

Leicht ließen sich Buchseiten füllen über Hotels, die ich immer wieder aufsuchen werde. EineLaudatio wäre meinem Hamburger Stammhotel gewidmet. Doch es gibt Unterkünfte, deren man sich mit Grausen erinnert. Vergleichsweise harmlos ist es, wenn Kühlanlagen durch die Nacht dröhnen. Es war das erste und letzte Mal, daß ich in einem Haus „mit eigener Metzgerei“ logierte. In einem gut beleumdeten Gasthof konnte erst ab 10 Uhr gefrühstückt werden, weil am Abend zuvor ein Fußballspiel übertragen worden war. Im Aufenthaltsraum eines eleganten Sporthotels wurde den Gästen Licht und Fernsehen ab 22 Uhr vorenthalten. Daß selbst in Nobelhäusern die Raumpflegerin oft nicht vor 15 Uhr erscheint, weiß jeder, der viel reist. Was also könnte Hoteliers noch einfallen, um den individuellen Zauber ihres Hauses dem Gast vor Augen zu führen?

Einiges!

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Über dem „ruhigsten Hotel am See, mit modernstem Komfort und einem herrlichen Park von 15 000 qm“ blaute ein Frühlingsmorgen. Ich durchquerte das Frühstückszimmer. Zwei Hotel-Eleven deckten die Tische. Sie kicherten. Ich trat auf die Terrasse. Ein gewundener Pfad führte zum Haus empor. Hotelgäste spazierten herauf. Dem Zug voran stapfte Mister M. aus London. Seinem Gebaren nach sicherte er den Weg vor Feinden. Mancher in der Gruppe hielt ein Päckchen in der Hand. Tütenzipfel schauten aus Taschen. Ich kicherte. Ging ins Frühstückzimmer.

Die anderen Gäste nahmen ihre Plätze ein. Mister M. ließ sich am Nebentisch nieder. Einer nach dem anderen ergriff ein Brötchen. Drückte es. Legte es erschrocken zurück. Ich zog die Folie der Butterportion auf. Ranzig, wie gestern. „Ob ich einen Camembert bestelle? Ich kann die Quittenmarmelade nicht mehr sehen“, flüsterte mein Tischgefährte. Mister M. und ich klopften das Frühstücksei auf. Meins floß den Eierbecher hinab.

Der Camembert wurde serviert. Ein Salatblatt bedeckte ihn. Mein Tischgefährte starrte es an. „Sie sind mittags nie hier? Wo essen Sie?“ fragte er nervös.