Wie aus Bürokratengeschwätz erst ein Verdacht und dann ein aktenkundiger Irrtum wurde

Von Rolf Tschombé

Bonn, im Februar

Zunächst war es wohl eher gutmütiges Gerede, das sich einem Mann an die Fersen geheftet hatte, der nicht ganz dem Komment entsprach: ein General, der etwas eigenbrötlerisch lebte, wenig von gesellschaftlichen Verpflichtungen hielt, statt dessen durch wissenschaftliche und religiöse Interessen auffiel, der nicht Golf spielte, sondern sich lieber in seiner mit Büchern vollgestopften Bibliothek vergrub. Ein Offizier, der weder der rauhe Troupier mit Herz noch der gewandte Diplomat in Uniform war, ein intelligenter, aber schwieriger Mann – und Junggeselle.

Von „rauhen Soldatenscherzen“ war die Rede vor dem Untersuchungsausschuß des Bundestages, der die Affäre aufklären soll, „wie sie manche von uns treffen“ – Scherze, die freilich, so muß man vermuten, manchmal jene Tabuzone berührten, wo die Unterhaltung plötzlich abbricht, und die Verlegenheit dann mit einer kräftigen Lache und einem entschlossenen Prost verscheucht wird. Noch vor dem Ausschuß ist diese Verlegenheit zu spüren. Meist wird da „von der in Rede stehenden Neigung“ gesprochen.

Das Gerede, schon nicht mehr ganz gutmütig, fand seinen Weg in die Politik. „Ich hörte“, so berichtet ein Zeuge, „daß der General seine Aufgabe im Nato-Hauptquartier (als Stellvertreter des Obersten Befehlshabers Europa, Bernard Rogers) nicht erfüllen könne.“ Tatsächlich war dieser Posten aus mancherlei Gründen immer ein schwieriges Kommando, und es war noch schwieriger geworden, weil der deutsche General und sein amerikanischer Chef sich fremd blieben. Das Gerede, nun schon ein Gerücht im politischen Kräftefeld, bösartiger, gefährlicher, war bereit zur Verwendung. Es bedurfte nur noch der richtigen Kombination von Zufällen.

Wie ein Dorfrichter Adam