Der Kurs der amerikanischen Währung hat seinen Höhepunkt vorerst überschritten

Seit dem 12. Januar 1984 fällt der Dollar wieder. Es ist noch kein Sturzflug, aber der Rückgang ist wahrnehmbar. Der Kurs fiel von 2,8375 innerhalb von 28 Tagen nach einigem Hb und Her auf 2,6895 Mark. Ist dies schon die vielbeschworene Umkehr von der Dollarstärke zur Dollarschwäche? Kein unabhängiger Analyst möchte mit einer eindeutigen Antwort zu Protokoll genommen werden. Die meisten Prognostiker mit kommerziellen Interessen schwören allerdings auf einen weiteren Verfall des Dollarkurses.

Bei der Bundesbank wollen sich die Verantwortlichen nicht darauf festlegen lassen, daß auf den Devisenmärkten schon die grundlegende Meinungsänderung begonnen habe. Aber es wird eingeräumt, daß die Unsicherheiten über die Fortdauer der Dollarstärke größer geworden seien.

Es war sicher kein Zufall, daß der Dollarkurs zu sinken begann, als es über die Bedeutung der ungewöhnlich hohen Haushaltsdefizite für die Zinsentwicklung zu einem offenen Streit zwischen Finanzminister Donald Regan und dem Chef der wirtschaftlichen Beratergruppe des Präsidenten, Martin Feldstein, gekommen war.

Eine Gänsehaut hat den Dollarbesitzern auch die Entwicklung der amerikanischen Handels- und Leistungsbilanz über den Rücken gejagt. Für 1983 schloß die Handelsbilanz mit einem Defizit von fast 70 Milliarden Dollar ab, die Leistungsbilanz geriet mit 40 Milliarden Dollar in die roten Zahlen. Für das Jahr 1984 lauten die entsprechenden Schätzungen 95 und 61 Milliarden Dollar. Als Notenbankchef Paul Volcker gar warnte, wenn die USA so weitermachten, dann würden sie sich rasch zu einem Netto-Schuldnerland entwickeln, da wurde dieser Kassandraruf in seiner ganzen Tragweite verstanden.

Bis jetzt war es gelungen, auch das Riesendefizit in der Leistungsbilanz reibungslos zu finanzieren. Der starke Dollar und die hohen Zinsen lockten Gelder aus allen Teilen der Welt in die Vereinigten Staaten. Genauere Analysen der Kapitalströme zeigten, daß der Netto-Kapitalimport in den letzten Monaten nicht mehr nur aus neuem Kapital gespeist wurde. Er kam dadurch zustande, daß amerikanische Banken ihre Ausleihungen im Ausland radikal zurückgeführt haben.

1982 waren sie noch Nettokapitalgeber, sie haben 45 Milliarden Dollar mehr nach draußen ausgeliehen, als von draußen eingenommen. 1983 hat sich ihre Position gedreht: Sie wurden zu Nettokapitalnehmern, weil sie mehr Zinsen und Tilgungen aus dem Ausland einnahmen, als sie an fresh money wieder ausliehen. Der Umschwung erreichte eine Größenordnung von 70 Milliarden Dollar.