Die Szene gehörte in einen Film von Costa Gavras mit Musik von Mikis Theodorakis: Eine stolze, hochaufgerichtete Frau winkt vor dem Gefängnistor noch einmal der Menge und lacht ihr zu: „Mut! Nur Mut!“

So kämpferisch zog am Wochenende Melina Mercouri vor einem Berliner Gefängnis auf. Als „Griechin und Ministerin“ hatte sie ihren Auftritt inszeniert, um einem bedrängten Landsmann zur Seite zu stehen. Tags darauf besuchte sie den pikierten Justizminister Hermann Oxfort und den nicht weniger betretenen Novizen im Schöneberger Rathaus, Eberhard Diepgen. Ihre Botschaft: Der Grieche Minas Kontos sitze nun schon überreichlich lange in Untersuchungshaft – genaugenommen seit dem 11. Juni 1982, als Ronald Reagans Besuch in Berlin Straßenschlachten ausgelöst hatte. Kontos war dabei und soll „unter anderem“ Steine geworfen haben. Seine Kultusministerin bekundete das lebhafte Interesse der Athener Regierung, daß nun bald, nach 21 Monaten, ein Gerichtsverfahren zustande kommt.

Melina Mercouri versteht etwas von effektvoller Darstellung. Ihr wird auch kaum neu sein, daß die Mühlen der demokratischen Justiz manchmal langsam mahlen. Oxfort und Diepgen haben ihr umständlich erklärt, daß deutsche Gerichte unabhängig sind und daß sie, die Politiker, nicht in den Gang der Dinge eingreifen können und dürfen. Die große Mercouri hat sich alles geduldig angehört. Sie bleibt dabei, es sei „unglaublich“, wie lange Minas Kontos auf Gerechtigkeit warten müsse.

Costa Gavras’ Filme haben stets eine moralische Lehre. Natürlich bringt ein schwungvoller Auftritt in Berlin den Griechen nicht aus dem Gefängnis. Geschweige denn, daß Berlin im Griechenland der Junta-Zeit läge. Aber hätte es nicht ein Bild fürs Poesie-Album der Nation abgegeben, wenn ein deutscher Minister im damaligen Athen so mitreißend aufgetreten wäre? Gerhard Spörl