Von Elisabeth Wehrmann

Im englischen Exil, 1940, hat Kurt Schwitters ihn porträtiert: Sitzend, in Jackett und weißem Schal, blickt er aus dem Bild auf den Betrachter; ein schmaler Kopf, Denklinien über Stirn und Augenbrauen, eine runde Brille, verwundbare Augen, ein weicher Mund. Schräg über Kopf und lände fällt helles Licht. Die Hände, in der Gestik eines Gesprächs skizziert, vertiefen den Eindruck des Sensiblen. Mit roten Buchstaben darüber gemalt steht der Name: Rudolf Olden,

Das Bild gelangte 1978 in eine süddeutsche Galerie. Als ich es sah, war ich fasziniert; mit dem Namen wußte ich kaum etwas anzufangen.

Rudolf Olden gehört zu den vielen, vom „Dritten Reich“ verfemten, vertriebenen und verbotenen Autoren. Er war Jurist, Journalist und Schriftsteller: in den Augen seiner Freunde eine „aristokratische Erscheinung von manchmal dandyhafter Eleganz“, ein homme à femmes und ein radikaler Demokrat „von leidenschaftlichem Gefühl für Gerechtigkeit... und Haß gegen Erbärmlichkeit und Tyrannei, einer der letzten honorigen Freisinnigen Deutschlands“.

Fünfzig Jahre nach der Bücherverbrennung wirken die Folgen der Verbannung erschreckend konsequent: Rudolf Olden ist heute so gut wie vergessen.

Am 14. Januar 1885 wird Rudolf Olden in Stettin als drittes Kind einer sehr jungen Künstlerfamilie geboren. Sein Vater, der Schauspieler und Lustspieldichter Hans Oppenheim (der Künstlername Olden wird später zum Familiennamen), läßt sich gleich nach der Geburt des Sohnes scheiden; der Mutter gelingt es, mit Hilfe ihrer Schwester, einer Fürstin zu Liechtenstein, „standesgemäß“ für ihre Kinder zu sorgen.

Umgeben von Tanten und Gouvernanten wächst Olden in großbürgerlichen Verhältnissen auf – oft auf Reisen von München bis Freiburg, oft in Bad Aussee, wo die Familie Umgang hat mit den Hofmannsthals und den Wassermanns. „Er paßte ganz in diese ... vornehme Welt“, schreibt sein Bruder Balder in seinen Lebenserinnerungen. Er paßte ganz, gehörte aber nicht wirklich dazu. Zwar absolviert er Jurastudium und Referendarzeit, ist Mitglied einer schlagenden Verbindung und zieht als Oberleutnant eines Dragoner-Regiments in den Ersten Weltkrieg. Doch das Hochgefühl über die „unverdiente Ehre dabeizusein“, verliert sich: „Innerer Leere ... keine Perspektive“, heißt es in einem Brief an die Schwester Ilse 1918.