Pueblo – wo Streßgeplagte „ganzheitlich“ entspannen

Von Uta van Steen

Latzhosen-Alternative und Maßanzug-Manager: So unähnlich sind sie einander gar nicht. Denn sei es nun die Decke eines Sheraton-Hotels oder die einer Altbauwohnung – beiden fällt sie auf den Kopf. Die konfektionierte Beton-Umgebung unserer Industriegesellschaft läßt eben das Menschliche vermissen. Die Alternativen sind zuerst darauf gekommen. Das „Establishment“ zieht nach – man kennt das schon.

Da vertreibt der Supermarkt Naturkost, jedes Kaufhaus besitzt seine Indien-Boutique, und Punk-Klamotten gibt es schließlich auch von Dior. Doch während die Alternativen getreu dem Rousseauschen Motto zurück zur Natur gehen und auf den dürren Böden bayerischer Einödhöfe mühselig ihr Bio-Gemüse ziehen, blickt der Manager lediglich interessiert zurück und entwirft flugs „Innovatives“. Auf die Natur bezogen: Ist keine mehr da, baut er sich eine. Denn was sind teure Gartenausstellungen und Disneyland schließlich anderes als stilisierte Natur?

Ein Widerspruch? Spätestens seit Marx wissen wir, daß der Kapitalismus voll davon ist (ob er daran zugrunde geht, bleibt abzuwarten). Fest steht allerdings, daß man sich in Widersprüchen wundervoll einrichten kann ... Wie zum Beispiel im Frankfurter Industriestadtteil Niederrad. Zwischen Bürohochhäusern und Fabriketagen hat sich ein Fremdkörper breitgemacht: das „innovative Freizeitzentrum Pueblo“. Nah am Flughafen gelegen und mit Anschluß an alle wichtigen S-Bahn-Linien kann man dort herrlich ausspannen.

Ein Biotop auf dem Dach

Der Baustil des Pueblo ist den Hopi-Indianern entlehnt: außen dicke Wände in warmem Gelb, ohne jeden rechten Winkel, innen Tonfliesen mit echten Katzenpfoten-Abdrücken, Naturholzdecken, mexikanisches Ambiente, handgemachte Teppiche und Lampen; ein anmutig plätschernder Wasserfall in der Eingangshalle, auf dem Dach ein Biotop mit Solardusche.