ARD, 29. Februar, 16.10 Uhr: „Frauen in der Sowjetunion Ein Film von Samuel Rachlin

Wird es eine feministische Revolution in der Sowjetunion geben? Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort, die diese ist: Eine Revolution gab es bereits; alle anderen sind verboten.

„Träume von Glück unter anderen Umständen“, heißt der Untertitel dieses Films in der sehr gelungenen deutschen Bearbeitung von Petra-Monika Jander.

Das wiederholt vermittelte Bild vom zur Einsilbigkeit verpflichteten russischen Menschen verkehrt sich in diesem Film ins Gegenteil. Vielleicht, weil der dänische Moskau-Korrespondent, Samuel Rachlin, es nahezu ausschließlich mit Frauen zu tun hatte.

„Geliebte Frauen, kommt als Sterne zu uns“, schmilzt ein russischer Schlagersänger. „Wir suchen den Kontakt mit allen Frauen, auch mit denen, die aus Protest keinen Büstenhalter tragen“, sagt vor dem Sowjetischen Komitee für Frauenfragen eine frauenrechtlerische Russin, das graue Haar am Hinterkopf fest verschlungen, „Ohne die Frauen können wir den Kommunismus nicht aufbauen“, sagt Lenin, und „wir sollen alles schaffen“, seufzt Olga, deren Mann Journalist ist, die als Sekretärin arbeitet, die selbst gern Journalistin werden möchte, deshalb am Abendgymnasium studiert und darum ihre kleine Andruschka samt Köfferchen jeden Montag für fünf Tage im Kindergarten abliefert.

Brauchen denn die Frauen in der Sowjetunion eine feministische Revolution? Frauen besetzen 85 Prozent aller Arbeitsplätze. Zählt man die Studentinnen dazu, sind es 98 Prozent. Zu nahezu 75 Prozent sind medizinische Versorgung und Schulwesen in Frauenhand, 45 Prozent aller Ingenieure sind Frauen. In der Datenverarbeitung und Forschung sind sie ebenfalls stark vertreten. Beneidenswert! Aus westlicher Sicht.

Auf den Baustellen sind weibliche Maurer eher die Regel denn die Ausnahme. In der endlosen Winterzeit stemmen dick vermummte Frauen die stark vereisten Straßen auf. Im Sommer stehen sie in der Kittelschürze am Teerkocher, asphaltieren sie die Fahrbahnen: Schwerarbeit in frischer Luft, die offensichtlich lieber geleistet wird als Fummelarbeit am Fließband. Die aber auch deshalb geleistet wird, um sich die Zuzugsgenehmigung nach Moskau zu erschuften. Eine andere Möglichkeit wäre, einen Moskauer zu heiraten.