Von Wolfgang Simons

Wie kommt ein ausländischer Tourist in ein türkisches Gefängnis, ohne irgend etwas Gesetzwidriges getan zu haben? Während der anderthalb Jahre meiner eigenen Haft höre ich von Leidensgefährten die folgenden Geschichten:

– Ein Tourist sitzt in einem Café. Ein Türke setzt sich hinzu und liest eine englischsprachige Zeitung. Nach einiger Zeit übergibt er dem Touristen die Zeitung und bittet darum, einen Moment darauf zu achten, da er zur Toilette möchte. Zwei Polizeibeamte kommen und kontrollieren die Papiere des Touristen. Sie schauen in die Zeitung und finden Rauschgift. Der völlig verblüffte Ausländer versucht, die Situation zu erklären; die Polizisten sagen ihm, daß kein Türke eine englischsprachige Zeitung lese.

– Ein anderer Tourist hat angeblich einen Teppich gestohlen. Obwohl andere Mitreisende vor der Polizei beeiden, daß er diesen Teppich im Basar gekauft hat, kommt der Mann ins Gefängnis, weil er den Geldforderungen der Polizei und der Händlerin, die ihn angezeigt hat, nicht nachkommt.

– Ein dritter Ausländer wird von der Rauschgiftpolizei grundlos verhaftet und unterschreibt trotzdem ein umfassendes Geständnis: Der türkische Text ist gefälscht, das genaue Gegenteil dessen, was der Tourist zu Protokoll gegeben hat.