Der seit 41 Monaten andauernde Krieg zwischen dem Iran und dem Irak hat bereits 130 000 Menschen das Leben gekostet. Jetzt sind die Kampfe auf breiter Front wieder aufgeflammt.

Die neuerliche Eskalation begann mit irakischen Artillerie- und Raketenangriffen auf sieben iranische Städte. Hundert Zivilisten kamen dabei ums Leben. Irakische Bomber griffen auch die von japanischen Firmen errichtete petrochemische Anlage in dem Hafen Bandar Chomeini an und versenkten neun iranische Schiffe.

Der Iran reagierte prompt mit dem Beschuß von sechs grenznahen Orten und einem Luftangriff auf die Stadt Baguba nordöstlich von Bagdad Besonders schwere Verwüstungen richtete der Vergeltungsschlag in der Hafenstadt Basra an, der zweitgrößten Stadt des Irak. In Panik flohen die Einwohner aus der Stadt, viele suchten jenseits der nahen Grenze in Kuwait Zuflucht.

Die Fluchtwege nach Norden sind ihnen verwehrt, seit der Iran am mittleren Frontabschnitt mit einer neuen Großoffensive begonnen hat. Die iranischen Verbände haben den Auftrag, die wichtige Straße zwischen Basra und Bagdad zu unterbrechen. Seit Teheran den Beginn der Operation „Morgenröte“ verkündet hat, sind nach Angaben beider Seiten bereits 4000 Soldaten getötet worden.

Auf ein weiteres Vordringen der zahlenmäßig überlegenen iranischen Revolutionsarmee dürfte der Irak mit dem verstärkten Einsatz seiner schlagkräftigen Luftwaffe antworten. Frankreich hat dem Irak im vergangenen Jahr fünf hochmoderne Kampfbomber vom Typ Super Etendard geliefert, die mit den von Argentinien im Falkland-Krieg eingesetzten Exocet-Raketen bestückt werden können. Mit Scheinangriffen auf Teheran und elf weitere iranische Städte hat der Irak die Einsatzbereitschaft seiner Luftwaffe bereits nachdrücklich demonstriert.

Staatschef Saddam Hussein ließ in einer Rundfunkansprache keinen Zweifel daran, daß der Irak notfalls zum „totalen Krieg“ gegen die iranischen Großstädte bereit ist: „Wir werden die Mullahs zur Vernunft bomben.“

Die USA nehmem die Eskalation der letzten Tage sehr ernst. Nach Informationen der amerikanischen Nachrichtendienste haben die Streitkräfte der beiden Seiten rund eine halbe Million Soldaten zusammengezogen. „Eine gewaltige Schlacht im Stil des Ersten Weltkrieges scheint sich herauszuschälen“, so das Urteil eines Regierungsbeamten zu dem gewaltigen Truppenaufmarsch.