Empfehlenswerte Filme

„Die flambierte Frau“ von Robert Van Ackeren. „Zelig“ von Woody Allen. „Eating Raoul“ von Paul Bartel. „Das Geld“ von Robert Bresson. „Local Hero“ von Bill Forsyth. „Ein Mann wie Eva“ von Radu Gabrea. „Eine Saison in Hakkari“ von Erden Kiral. „Das Schloß im Spinnwebwald“ von Akira Kurosawa. „Koyaanisquatsi“ von Godfrey Reggio. „Das Leben ist ein Roman“ von Alain Resnais. „Pauline am Strand“ von Eric Rohmer. „Carmen“ und „Zärtliche Standes“ von Carlos Saura. „Kanakerbraut“ von Uwe Schrader. „Nostalghia“ von Andrej Tarkowski. „System ohne Schatten“ von Rudolf Thome. „Auf Liebe und Tod“ von François Truffaut. „Senso“ von Luchino Visconti.

Sehenswert

„Erzählungen unter dem Regenbogen“ von Kenjo Mizoguchi. Am Anfang führt die Kamera den Blick von Wäldern und Feldern zu einem abgelegenen Dorf, zur Hütte eines Töpfers, der mit seiner Frau emsig arbeitet. Am Ende des Films schwenkt die Kamera von dieser Hütte zurück auf Berg und Wälder. Nichts hat sich verändert. Alles hat sich verändert. Der Töpfer, von seinem Ehrgeiz auf einen langen Irrweg getrieben, erfährt vom Tod seiner Frau. Der Bruder des Töpfen ist kein großer Samurai geworden, wie er es sich erträumte, seine Frau findet er im Bordell wieder, wohin sie sich flüchtete, nachdem sie auf der Suchenach ihrem Mann von Soldaten vergewaltigt wurde. Die Leiden der Menschen berühren die Natur nicht. In dieser Geschichte von Menschen und Dämonen baut Mizoguchi vor uns die Welt als Bühne auf und macht sich wie uns zu Zuschauern und Mitspielern. Die Hauptrolle auf dieser Bühne spielen immer die Frauen. Mizoguchis Ruf als „Frauenregisseur“ bedeutet zugleich, daß er als Vorkämpfer für die Rechte der Frau eintritt (ein Thema, das er mehrfach in Filmen behandelt) und daß er ein Verehrer der Frauen ist, die er liebt und vielleicht noch mehr fürchtet, als Opfer und Sieger, als gute Geister und verführerische Dämonen. Mehr als dreißig Jahre ist es her, daß Mizoguchis Filme durch Auszeichnungen bei den Filmfestspielen in Venedig zuerst auch in Europa die Anerkennung fanden, die Mizoguchi bei seinen japanischen Kollegen als verehrter Meister schon lange genoß. „Ugetso Monogatari“, 1953 entstanden und jetzt wieder in unseren Kinos, entfaltet Mizoguchis poetischen Realismus in Vollendung.

Lina Schneider

Nett

„Kassensturz“ von Rolf Silber erzählt – betont komödiantisch – die Geschichte einer Irritation. Festgefügte Ordnungen lockern sich, wenn sie auf Gegensätzliches treffen. Sogar das Vertraute, das Selbstverständliche wird fremd, wenn es für andere, auf die man eine Neugierde oder eine Lust hat, nur ein Anlaß zum Lachen ist, Ein junger Bankangestellter, seine besonderen Kennzeichen sind: schicke Anzüge, Popperfrisur, goldenes Cartier-Feuerzeug, begegnet auf einer Familienfeier einer Frau, die ihm unbegreiflich ist. Sie trägt bunte Strümpfe und clowneske Kleider. Und sie schminkt sich grell und frisiert sich wild. In ihrer Wohngemeinschaft arbeitet sie mit Freunden an einer kabarettistischen Performance. Der junge Mann versteht nichts. Er versteht nur, daß er sich auf die Frau einlassen muß. So entdeckt er, daß es noch ein Leben gibt jenseits von Mode und schnieken Accessoires, auch jenseits von Geld und Karriere. Der Film berührt vor allem durch die Einfälle, die von der Geschichte, vom Buch kommen. Die Witze und die Gags, die einen lachen lassen, sind geschriebene, nicht inszenierte. Der Rhythmus bleibt eher additiv. Und die Kamera- und Montagearbeit ist eher bieder: fernsehhaft; nicht abenteuerlich: nicht dem Kino zugedacht. Nur die Geschichte ist eine Kinogeschichte. Am Ende, nachdem der Held seinen Job aufgegeben hat, mietet er für die Frau einen Elefanten und stellt ihn ihr in den Hof. Er hat gelernt, wie sehr das Leben nur Leben wird, wenn auch Unordnungen gewagt werden. Danach hat er dann die Kraft, alleine wegzufahren – um nachzudenken.

Norbert Grob