Von Petra Lehnert

Schnaps gilt als fester Bestandteil deutscher Trinksitten; der Klare zum Bier oder nach dem Essen gehört einfach dazu. Doch jetzt bangt der Verband deutscher Kornbrenner um die Zukunft dieses Destillats, denn das Bundesfinanzministerium überlegt, ob es die deutsche Brennereiwirtschaft auch weiterhin finanziell am Leben erhalten soll. Allein 1982 gab der Fiskus 250 Millionen Mark Subventionen für Schnaps aus.

Würde das Finanzministerium seine Sparpläne durchsetzen, sähen die Brenner ihre Existenz gefährdet. „Dann wird es keinen deutschen Korn mehr geben“, fürchtet Josef Cornelissen vom Verband.

Die Entwicklung der Brennereiwirtschaft ist ein Musterbeispiel dafür, wie staatliche Eingriffe längerfristig die Beschützten gefährden können. Bereits zur Zeit Bismarcks befand der Staat, daß Alkohol ein ganz besonderer Saft sei, und brachte die Alkoholproduktion unter seine Kontrolle.

Zu diesem Zweck wurde das Branntweinmonopol gegründet. Seitdem muß der in Deutschland gebrannte Sprit beim Monopol abgeliefert werden. Den Brennern wurden Kontingente zugeteilt, die sich nach dem damaligen Stand der Alkoholerzeugung richteten. Durch diese mengenmäßige Beschränkung wurde den Brennern die Möglichkeit genommen, ihre Betriebe zu vergrößern; der Weg zu einer mehr industriell orientierten Alkoholproduktion war damit versperrt. Als Trost bekamen die Brenner die Garantie, daß das Branntweinmonopol die genehmigten Mengen zu kostendeckenden Preisen kauft.

Der Grund für die Regelung war nun nicht etwa – was denkbar gewesen wäre – der Schutz der Bevölkerung vor übermäßiger Trunksucht, noch sollten primär höhere Einnahmen erzielt werden; der Grund für die Errichtung des Branntweinmonopols war vielmehr die Förderung der Landwirtschaft.

Der technische Hintergrund: Bei der Verbrennung von Kartoffeln und Getreide entsteht nicht nur Alkohol, es verbleibt auch ein stärkehaltiger Rückstand, die sogenannte Schlempe, die hervorragend als Viehfutter geeignet ist. Bei der industriellen Produktion von Alkohol kann dieser Rückstand zu einem Problem werden. In Großbritannien wurde dieser stinkende Brei beispielsweise jahrelang einfach ins Meer abgeleitet.