Von Fritz Heudtlaß

Pro per Person 20 Gramm Tee, 50 Gramm Kaffee, 31 Gramm Trockenmilchpulver, 400 Gramm Bratwurst, aber auch 190 Gramm Kaviar... die vom Veranstalter übersandte Verpflegungsliste läßt offen, ob dies und einiges andere ausreicht für eine einwöchige Kanu-Tour durch Dalsland in Mittelschweden. Diese und manche andere Frage haben wir im Kopf, als wir uns am Samstag in Hamburg treffen. Wie wird das Bootfahren klappen? Wird das Wetter mitspielen? Wie komme ich mit der Gruppe, wie die Gruppe mit mir klar?

Im Bus nach Travemünde lerne ich meine „Con-Kanuten“ kennen: „Hast du schon Kanu-Erfahrung? Kannst du ein Zelt aufbauen?“ Auf der Nachtfähre suchen wir uns „Schlafplätze“ im Aufenthaltsraum. Die Idee, hier zu schlafen, ist nicht so gut: Nicht abgeräumtes Geschirr klappert auf den Tischen, die Deckenverkleidung sitzt auch nicht mehr so fest. Tip: Den Schlafsack mitnehmen, in den Gängen vor den Schlafkabinen gibt es genügend Platz und Ruhe.

Am Sonntag geht die Busfahrt an der schwedischen Westküste entlang über Malmö, Helsingborg und Göteborg nach Norden. Die Sicht ist so klar, daß wir Dänemark noch sehen können. Etwa 200 Kilometer oberhalb von Göteborg liegt das Bootszentrum Laxsjoen. Ulf und Agneta, unsere schwedischen Begleiter, warten bereits auf uns und unsere Fragen: Wann geht’s los? Wie groß sind die Boote? Brauchen wir Mückenschutzmittel

Nach dem Abendessen (mit viel Milch als Getränk zu den Mahlzeiten) werden Boote, Zelte und Lebensmittel verteilt, die Zelte aufgebaut und der Kocher ausprobiert. Dann – endlich – geht’s in die Boote: Die Zweier-Teams haben sich gefunden, die obligatorische Schwimmweste ist angelegt; wir sind gerüstet für die Proberunden. Und es klappt besser als erwartet, auch wenn nur zwei von zwölf Teilnehmern Kanu-Erfahrung haben. Ulf und Agneta erklären, wie wir das Paddel halten und führen sollen, auch das Steuern der Kanus lernen wir ziemlich schnell.

Beim Lagerfeuer abends kreist die mitgebrachte Flasche Rum, wir freuen uns auf den Start am nächsten Morgen. Wir – das sind Menschen zwischen 15 und 55 aus Offenbach und Ostfriesland, Berlin, Münster und Hamburg und Michel aus Lyon. Er spricht kein Wort Deutsch, wir kein Französisch, aber in Englisch klappt die Verständigung von Tag zu Tag besser.

Die erste Nacht im Zelt ist kein Problem; ich bin froh, daß ich statt der Luftmatratze eine Isomatte aus Hartschaum mitgenommen habe: Sie ist leichter, wärmt besser und muß nicht jeden Abend aufgeblasen werden.