Nur noch 138 Tage, und Iwan D. Herstatt, der dem größten Bankzusammenbruch nach dem Kriege den Namen gegeben hat, wäre ein unbescholtener Mann gewesen. Ob schuldig oder nicht, am 26. Juni 1984 hätte wegen der Verjährung niemand mehr einen Strafverfolgungsanspruch gehabt.

Die Große Strafkammer des Landgerichts Köln hat jedoch den siebzigjährigen Ex-Bankier „wegen betrügerischen Bankrotts in besonders schwerem Fall und wegen Untreue“ zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Seine Bank hat es vor zehn Jahren durch Devisengeschäfte auf einen Verlust von 470 Millionen Mark gebracht. In der Bilanz von 1973 sind Verluste durch nicht entstandene Gewinne kaschiert worden. Der Wirtschaftsprüfer hat den Abschluß zwar mit vollem Testat abgesegnet, an die Verantwortlichen aber die Mahnung geschickt, sie sollten darauf achten, daß der Umfang der Devisentermingeschäfte nicht zu groß werde. Vergeblich, alle Warnungen wurden in den Wind geschlagen.

Wäre es Herstatt und seinen Anwälten gelungen, durch Verschleppungsmanöver den rettenden Stichtag der Verjährung zu erreichen, wäre das wahrlich kein Sieg des Rechtsstaats gewesen – denn zwölf seiner früheren Mitarbeiter sind schon verurteilt worden. Es kam anders, weil die Große Strafkammer unter dem Vorsitz des Richters Alois Weiss den Wettlauf gegen die Verjährungsfrist gewonnen hat. Manchmal sind die Grenzen fließend zwischen dem Rechtsstaat und dem Juristenstaat.

R. H.