Von Silvia Propp

Schön ist ein Wobbler wirklich nicht. Schwarzgelb gestreift und von plumper Form schaut er aus wie eine Minikreuzung zwischen Hubschrauber und Biene Maja. Doch er war mein letzter Versuch. Und dabei fing es so erfolgversprechend an, mein Lachsfangabenteuer am Globbenfluß in Westnorwegen.

Sieben waren wir, in grünem Ölzeug und langen Gummistiefeln, die an einem schönen Spätsommertag in Sandane auszogen, um die Lachse das Fürchten zu lehren. Sieben noch Aufrechte mit den besten Vorsätzen.

Noch am Abend gleich nach Ankunft in dem kleinen Ort am Nordfjord drängt es uns zum Fluß. „In der Dämmerung beißen die Lachse besonders gut“, meint Johann, einer unserer Klepper. Klepper dienen den Anglern als Mädchen für alles. Sie kümmern sich um das Gerät, wissen wo die Fischlein stehen und kennen sich mit Ködern aus. Ihren Namen haben sie von einem dem Enterhaken ähnlichen Instrument, mit dem sie die Lachse oder Lachsforellen, die noch an der Angel hängen, an Land bringen. Asbjörn, der 76 Jahre alte Kollege von Johann, ist ein besonders schlauer Fuchs, nicht nur, weil er früher einmal Lehrer für Deutsch, Englisch und Geschichte am Gymnasium war, sondern weil er auch weiß, wie man dem Lachs „auf die Sprünge“ kommt.

Asbjörn ist es auch, der mir liebevoll meine erste Wurfangel in die Hand drückt, mit einem besonders ansehnlichen Stingsild als Köder. Also los, den Finger um die Schnur, Bügel umgeklappt, Wurf. Der Köder saust ins Wasser. Ein Ruck – und: Biß! Aufgeregt kurbele ich an der Schnur. Herrlich einfach ist das Fischen. „Langsam“, mahnt Asbjörn. Unter seiner Anleitung bringe ich eine stattliche Lachsforelle an die Oberfläche, die unter lautem Hallo der Freunde mit dem Netz an Land gebracht wird. Ich bin überglücklich über diesen ersten Fang und falle meinem Klepper um den Hals. Die Freunde schauen ungläubig, können es noch gar nicht recht fassen.

Doch so einfach und problemlos ist die Sache mit dem Biß nun auch nicht, wie sich bald herausstellte. Lachsfang hat viel mit Glück und Geduld zu tun, und längst nicht jeder, der auszog, einen Lachs an die Angel zu bekommen, kam auch mit einem zurück. Mancher war am Ende froh, wenn nur eine kleine verträumte Lachsforelle angebissen hatte.

Das Anglerglück blieb an jenem ersten von fünf Abenden auch ausschließlich mir vorbehalten. Nach unermüdlichen verzweifelten Würfen kehren wir gegen Mitternacht in Sievertsens Hotel zurück. Das Haus, ein weißer Holzbau mit bunten Blumenkästen, ist seit vier Generationen in Familienbesitz und alljährlich zwischen Juni und September Herberge der hoffnungsvollen Lachsangler. Photos und Trophäen künden von sensationellen Fängen unserer Vorgänger. Jeder Fang über ein Kilo Gewicht wird in ein dickes rotes Buch eingetragen. Ich lese: Seit dem 21. Juni 1981 bis zum 26. August 1983 wurden im Globbenfluß 75 Lachse und 55 Forellen gefischt. Der größte Lachs in diesem Zeitraum wog 16,5 Kilo.