/ Von Wolfgang Hoffmann

Wochenlang haben die Manager des Münchner Rüstungskonzerns Krauss-Maffei die Existenz eines deutsch-ägyptischen fenplans bestritten. Als es dann kaum noch etwas zu leugnen gab, räumten die Münchner nur eines ein: „Wir untersuchen Möglichkeiten.“

Aber auch das Eingeständnis, die Firma prüfe die Möglichkeit, Ägypten bei der Entwicklung eines eigenen Kampfpanzers und dem Aufbau eigener Produktionsstätten zu unterstützen (ZEIT Nr. 7) enthielt neue Ungereimtheiten: Um nämlich nur nicht in den Verdacht illegaler Geschäftigkeiten zu geraten, versicherte Krauss-Maffeis Sprecher Karl Schmidt der ZEIT: Bonn weiß, daß wir uns solche Gedanken machen.“ Bonn freilich tut so, als wisse es nichts. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Rudolf Sprung, stellte sich im Bundestag auf entsprechende Abgeordneten-Fragen ahnungslos. Nicht-Wissen beteuerten das Wirtschafts- wie das Verteidigungsministerium auch noch, als Krauss-Maffei der Deutschen Presseagentur (dpa) erklären ließ, die Bundesregierung sei über alles unterrichtet. Auf den Widerspruch zwischen Bonn und München angesprochen, meint Schmidt jetzt nur noch: „Wir sagen nichts mehr, alles ist gesagt.“

Daß schon alles über das deutsch-ägyptische Panzer-Projekt gesagt ist, muß bezweifelt werden, daß es hingegen besser ist, nichts mehr zu sagen, hat gute Gründe. Rüstungsproduzenten und waffenhändler leben gefährlich. Wer nämlich das Kriegswaffenkontrollgesetz (KWKG) und das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) nicht ganz penibel einhält, riskiert den Besuch des Staatsanwalts. Ein Deutscher kann sich da schon strafbar machen, wenn er nur mit einem Ausländer Waffengeschäfte anbahnt. Solche juristischen Fallen, gleichsam die Tretminen der Branche, haben ebenso wie die undurchschaubare Bonner Genehmigungspraxis für Waffenexporte die Rüstungsmanager nach neuen Wegen suchen lassen.

Zweigstellen im Ausland, die selbständig agieren können, waren da sehr nützlich. Mehr als bei allen anderen Geschäften müssen beim Waffenhandel lange vor Abschluß eines Vertrages mit den potentiellen Interessenten soviel brisante Details erörtert werden, daß nie sicher ist, ob man nicht bereits den Kadi fürchten muß. Eine Tochterfirma im Ausland ist deshalb hilfreich, weil der Arm der deutschen Justiz so weit nicht reicht. Krauss-Maffei jedenfalls hat seinen Ableger in Brüssel, die N. V. GLS Logistical Service S. A., Panzer-Kontakte zur britischen Firma Murray Clayton knüpfen lassen. Die Firma gehört zur Luxemburger United Trading Corporation, die ihrerseits zur weltweit operierenden United Trading Group gehört. Kapitalgeber hinter der Gruppe ist eine der größten arabischen Banken, die „Arab Bank“, die es sich leisten könnte, in Ägypten eine Panzerproduktion aus dem Boden zu stampfen, damit von dort aus sämtliche arabischen Wünsche nach deutschen Kampfpanzern erfüllt werden könnten.

Ägypten eignet sich als Zentrum für arabische Waffenfabriken aus einem weiteren Grund: Anders als in den ölreichen Ländern Arabiens hat Ägypten etwas, das den anderen fehlt – Menschen, die in den Fabriken beschäftigt werden können. Überdies ist der Markt der islamischen Brüdernationen äußerst attraktiv: In Nah-Ost und in den nordafrikanischen Ländern stehen derzeit rund 16 000 Kampfpanzer, von denen ein sehr großer Anteil wegen Überalterung sukzessive durch neue Geräte ersetzt werden muß – etwa durch Leoparden ägyptischer Bauart?

Krauss-Maffei beteuert zwar, bei den deutschägyptischen Panzersondierungen handele es sich weder um den Leopard 1 noch um den Leopard 2. Zur Debatte stehe ein auf Ägypten zugeschnittenes Projekt. Auf den Konstruktionsentwürfen des TAR bzw. TARE (Tank Arabian Republic of Egypt) sind die Unterschiede zum offenkundigen Leo-Vorbild für Laien aber kaum erkennbar. Abweichungen vom Vorbild etwa bei der Panzerkanone, dem Getriebe oder der PS-Zahl des Motors stellen jedenfalls noch keinen komplett neuen Panzer dar. Wie man Vorbilder variiert, ohne kostspielige Neuentwicklungen auflegen zu müssen, hat Thyssen-Henschel vorexerziert. Der argentinische Panzer TAM (Tanque Argentino Mediano) ist vom deutschen Schützenpanzer „Marder“ kaum zu unterscheiden. Während der „Marder“ aber nur mit einer Maschinenkanone bewaffnet ist, bekam der Marder-TAM eine 105-mm-Kanone, womit er bereits unter die Kampfpanzer eingereiht werden kann. Der deutsch-argentinische TAM ist inzwischen schon ein argentinischer Exportschlager.