Von Wieland Schmied

René Magrittes Bild „Das ist keine Pfeife“ hat eine einfache Erklärung, die von den offiziell approbierten Bilderklärern bisher bewußt übersehen oder unterdrückt worden ist.

Als Magritte dieses Bild malte, war es in der Zunft der Maler bei der Strafe des Ausschlusses verboten, Pfeifen zu malen. Alles – nur nicht Pfeifen! war die Parole. Sonst werdet Ihr nicht mehr als seriöse, professionelle Maler anerkannt! Magritte, ein bürgerlich gesinnter Mann von großer Ordnungsliebe, hielt sich streng an dieses Gebot.

Es traf ihn aber zu einer Zeit, als er für sein Leben gern eine Pfeife gemalt hätte. Seine Frau, um seine Gesundheit besorgt, hatte ihm das Rauchen strikt untersagt. Seither vermochte er an nichts anderes zu denken als an eine Zigarette, eine Zigarre, oder; Höchstes der Gefühle, eine Pfeife.

Wenigstens beim Arbeiten alle Stunde eine Zigarette, oder ab und zu einen Zug aus der Pfeife, hatte er gebeten! Sonst fällt mir nichts mehr ein!

Nein! Auch nicht beim Malen! hatte ihm seine Frau beschieden. Denk an deine Lungen! Und an die Gardinen!

Magritte war nicht bloß ein gesetzestreuer Bürger, er war auch ein zärtlicher und folgsamer Ehemann. Alles hätte er eher vermocht, als der Gefährtin weh zu tun. Also keine Zigarette, keine Zigarre, keine Pfeife.