Wasser für die Kandidaten

Das kleine Städtchen Emmetsburg im amerikanischen Staat Iowa könnte in die Geschichte der Meinungsforscher eingehen. Einen Tag vor Walter Mondales Sieg im Caucus ermittelte der lokale Rundfunksender einen sicheren Vorsprung des früheren Vizepräsidenten vor seinen demokratischen Mitbewerbern – jedenfalls unter den Radiohörern, die es nicht zu weit vom Rundfunkgerät zur Toilette haben. Um halb acht Uhr morgens verlas ein Ansager die Namen der Präsidentschaftskandidaten; die Hörer waren gebeten, nach der Nennung ihres Wunschkandidaten die Wasserspülung zu betätigen. Angestellte der Wasserwerke stellten dann ohne Mühe fest, wie die Bürger abgestimmt hatten – schneller als bei jeder anderen Umfrage-Methode: Je tiefer der Wasserdruck sank, desto besser war es um die Beliebtheit des Kandidaten bestellt. An die 4000 Emmetsburger sorgten für Wasser auf die Mühlen ihres Kandidaten. 175mal wurde für Walter Mondale der Spülknopf gezogen, alle anderen landeten unter ferner liefen, wie einen Tag später bei der richtigen Abstimmung.

Folter in Teheran

Die Mudshahedin, islamische Linke, die vor fünf Jahren Chomeini zur Macht im Iran verhalfen, sind heute seine Feinde. Die Folterknechte des Teheraner Regimes verfolgen sie mit besonderer Grausamkeit. „Du hast das im Herzen, dann kannst du es auch darüber haben“, hörte die Gefangene Narguesse Chayessteh von ihrem Folterer; dann brannte er das Wort mudshahed mit angezündeter Zigarette auf ihrer Brust ein. Die 24jährige Buchhändlerin wurde 17 Monate im Teheraner Karadj-Gefängnis gequält, dann gelang ihr die Flucht.

Ein politisches Monument

Er wollte der vielgenannte Nachfolger Tolstois werden – und wurde doch nur der Nachschreiber eines Ungenannten: Michail Scholochow, Träger unzähliger Auszeichnungen (vier Lenin-Orden, ein Stalin-, ein Lenin-Preis, 800 Ausgaben in 80 Sprachen mit über 50 Millionen Exemplaren), hätte auf jeder sowjetischen Ehrentribüne die Konkurrenz medaillenverzierter Generäle und Marschälle ausgehalten. Sein vierbändiger Roman „Der stille Don“ brachte ihm gegen vielfältige Proteste 1965 nicht nur den Nobelpreis für Literatur ein (da saß der Autor bereits im ZK der KPdSU), aber auch den Vorwurf so renommierter sowjetischer Autoren wie Alexander Solschenizyn und Roy Medwedjew, er sei sein Plagiator: Das von dem 23jährigen Scholochow verfaßte riesige Werk – ein so junger Mann habe die umfangreichen Recherchen über das Leben der Kosaken am Don gar nicht leisten können – sei in Wahrheit von dem Kosakenführer Krjukow geschrieben, und Scholochow habe nur weniges am ursprünglichen Manuskript geändert und einige Kapitel hinzugefügt. Der Vorwurf wurde so wenig bewiesen wie widerlegt, aber das Urteil der Zeitgenossen, Scholochow sei mehr ein Mann des Apparats als Mann der Feder, blieb zeitlebens. Jetzt starb der Achtundsiebzigjährige in der südrussischen Stadt Weschenskaja, ein Monument eher als ein Großer der Literatur. Der bei Staatsbegräbnissen obligate Satz „Er wird weiterleben“ trifft hier wie selten zu: Autoren dieser Art sind so unsterblich wie Generalsekretäre.