Von Lucas Koch

Wenn der Eisenbahner Josef Fimpel von der Arbeit kommt, geht sie erst richtig los. Dann steigt er in seinen Hobbyraum, führt Listen, schreibt Gesuche, katalogisiert Nummern und telephoniert kreuz und quer durch Deutschland. Und das alles seiner großen Leidenschaft zuliebe: Freddy Quinn.

325 Platten hat er von ihm, 400 soll es geben. Genau weiß das keiner. Nicht einmal Josef Fimpel, und der kennt sich mit Freddy Quinn wie kein anderer aus.

Seit neun Jahren sammelt der Bayer alles, was der „Junge von St. Pauli“ veröffentlicht hat, darunter so abseitige Platten wie „Freddy singt seine schönsten Lieder auf japanisch“. 50 000 Mark, so schätzt er, hat er schon in seine Freddy-Sammlung investiert. Häufig klingelt bei ihm noch nachts um zwölf das Telephon, denn „ein Plattensammler muß immer erreichbar sein. Ich würde noch heute nacht nach Hamburg kommen, wenn Sie eine Freddy-Platte haben, die ich noch suche.“

Neulich ist er über Nacht von seinem Heimatort Grafrath bis nach Lübeck gefahren. 25 Stunden lang saß er auf der Bahn, um die seltene Freddy-Single „Spanish Eyes“ zu ergattern. Noch auf dem Bahnhof wurde der Handel perfekt gemacht, und schon ging es wieder zurück. Jetzt hängt die Platte wie eine Jagdtrophäe in seinem Haus, neben Photos, Autogrammen und Plattencovers von Freddy.

Die meisten Stücke hat er über Suchlisten und Postwurfsendungen erstanden. Wo immer Freddy auftaucht, ist auch Josef Fimpel zur Stelle. Dann setzt er seine Schirmmütze mit dem Aufdruck „Ich suche Freddv-Quinn-Platten“ auf.

Demnächst will er auch im Kino werben. Im Rundfunk konnte er schon einen Vierzeiler unterbringen: „Als Plattensammler bin ich bekannt / Ich such’ ’ne LP im ganzen Land / ‚E1 Millionario‘ von Freddy Quinn / 1000 DM geb’ ich dafür hin!“