Von Heinz-Günter Kemmer

Die Rohr-Post nennt das Kind beim Namen. Einen Bericht über das Geschäftsjahr 1983 überschreibt die „Zeitschrift für Aktionäre und Geschäftsfreunde der Mannsmann AG“ mit: „Ein schwieriges Jahr“. Und es war so schwierig, daß der Aufsichtsrat daraus Konsequenzen ziehen wird. In seiner Bilanzsitzung an diesem Donnerstag wird er eine Senkung der Dividende von zuletzt zwölf Prozent beschließen, dabei ist eine Halbierung ausgeschlossen, eine Kürzung auf nur zehn Prozent freilich unwahrscheinlich.

Franz Josef Weisweiler, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, läßt sich nicht zu einer Aussage verleiten. Er versteckt sich hinter der Souveränität seines Aufsichtsrats, der den Vorschlag des Vorstands noch absegnen muß und sagt lediglich: „Wenn Sie nicht dahin raten, daß wir keine Dividende zahlen, bin ich schon sehr zufrieden.“

Dabei könnte Weisweiler leicht den Unbeteiligten spielen und die Misere seinem Vorgänger in die Schuhe schieben. Denn immerhin war Egon Overbeck in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres nochVorstandsvorsitzender des Unternehmens; erst zum Jahresende übernahm Weisweiler das Ruder.

Aber der neue Mann an der Spitze nimmt die Verantwortung für das ganze Jahr voll auf sich, einschließlich der Dividendenkürzung.

Anders ginge es auch nicht, denn es ist kein Geheimnis, daß sich Overbeck mit Ablauf des Geschäftsjahres 1982 mehr und mehr aus dem Tageseschäft zurückgezogen und dem von ihm auserkorenen Nachfolger weitgehend freie Hand gelassen hatte. Ebenso ist freilich kein Geheimnis, daß Weisweiler lange vor seiner Nominierung als Overbeck-Nachfolger an der Neuorientierung des einstigen Montan-Konzems mitgewirkt hat. Und aus dieser Neuorientierung kommen die wenigen Lichtblicke des vergangenen Jahres.

Insgesamt liest sich der Bericht über 1983 freilich wie eine Aneinanderreihung von Hiobsbotschaften. Da liegt das „wirtschaftliche Konzernergebnis deutlich unter dem des Vorjahres“, wobei die Ergebniseinbußen bei den Röhrenwerken der Demag und in Brasilien besonders drastisch waren. Aber auch im Handel gab es einen Rückgang. Lediglich den Gruppen Anlagenbau sowie Hartmann & Braun werden gute Ergebnisse bescheinigt. Kienzle hat immerhin die Gewinnzone erreicht.