Die Aktien von AEG-Telefunken, einer im Vergleichsverfahren befindlichen Gesellschaft, gehören zu den Gewinnern der letzten Aktienhausse. Aber war der Anstieg ihrer Kurse um mehr als 250 Prozent gerechtfertigt?

Der Vorstand von AEG-Telefunken hat das für 1983 angestrebte Ziel erreicht. Er wollte ein „annähernd ausgeglichenes“ Jahresergebnis vorlegen. Tatsächlich hat die AEG-Telefunken-Unternehmensgruppe erstmals seit rund 15 Jahren ein positives Ergebnis erwirtschaftet. In der sogenannten Weltbilanz erscheint sogar ein Jahresüberschuß von 37 Millionen Mark.

Es spricht einiges dafür, daß dies kein Einmalereignis bleiben wird. Der mit seinen Prognosen vorsichtig gewordene Vorstandsvorsitzende, Heinz Dürr, hält auch für 1984 ein positives Gesamtergebnis für möglich, allerdings nur, wenn die Binnen- und die Weltwirtschaft in den derzeitigen Bahnen verläuft.

Ein Streik in der Metallindustrie würde AEG-Telefunken zunächst zwar nur mittelbar treffen. Im Hausgerätegeschäft ist der Arbeitskampf aber schon seit Wochen zu spüren. Der Absatz hat nachgelassen. Gleichwohl soll auch hier 1984 ein positives Ergebnis erwirtschaftet werden. Seit dem Herbst vergangenen Jahres befindet sich der Hausgerätebereich nicht mehr in den roten Zahlen. „Aber mit Streiks müssen wir fertig werden. Die anderen spielen auf dem gleichen Platz!“ äußerte sich Dürr entschlossen.

Nur tritt AEG-Telefunken unter schlechteren Voraussetzungen in den Arbeitskampf ein als die besser fundierten Konkurrenten. Die Sanierung hat die AEG-Reserven bis auf einen Restbestand aufgezehrt. Um den Vergleich erfüllen zu können, mußte wertvolle Substanz in Form von Beteiligungen und Grundstücken verkauft werden. Auf diesem Weg läßt sich kaum noch fortfahren.

Konjunkturell schwache Zeiten werden künftig unmittelbar auf die Beschäftigungslage durchschlagen. Das Überleben des Konzerns hat Vorrang vor der Arbeitsplatzsicherung. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn AEG-Telefunken am 14. September 1984 aus dem Vergleichsverfahren entlassen wird.

„1983 sind wir in dem steinigen Tal der Sanierung vorangekommen. Einiges an Dornen und Gestrüpp ist beiseite geräumt. Aber wir sind noch nicht am Ende der Schlucht. Bis dahin ist es noch ein schwerer Weg“, warnte Dürr.