Bis zu zwanzig Prozent weniger Übernachtungen, rückläufige Besuchen und Schiffspassagier-Zahlen – das ist die Bilanz 1983 der Ferienorte am Bodensee. Die Fremdenverkehrs-Experten suchen neue Konzepte, um die Einbußen wieder wettzumachen.

Die Baisse der Bodensee-Region läßt sich nicht exakt in Zahlen ausdrücken. Ein neues bundesweites Statistikgesetz hat Verwirrung statt Klarheit gestiftet: Die Erhebugen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg weisen einzelnen Orten für 1983 Übernachtungsrückgänge bis zu 55 Prozent zu, während die betroffenen Gemeinden selber aus ihren Unterlagen sogar ein leichtes Besucher-Plus errechneten.

Trotzdem, der Trend ist eindeutig: Von Argenbühl bis Wasserburg verminderten sich im letzten Jahr die Übernachtungen, viele Besucher blieben aus, fuhren seltener mit den Schiffen der „Weißen Flotte“ oder kehrten seltener in den See-Gasthäusern ein. Einen durchschnittlichen Rückgang des Tourismus-Geschäfts zwischen drei und fünf Prozent halten die örtlichen Fremdenverkehrs-Experten für realistisch – und für ein Alarmsignal, das sie in Zugzwang setzt.

Denn einen Tiefpunkt, wie ihn die Bodensee-Region Anfang der siebziger Jahre erlebte, will keiner mehr zulassen: Zwischen 1970 und 1972 sank die Zahl der Übernachtungen um mehr als eine halbe Million. Schon damals mochten sich die Verantwortlichen mit der Misere nicht abfinden. Elf deutsche und drei österreichische Bodensee-Gemeinden gaben bei der Hochschule St. Gallen eine Untersuchung in Auftrag, und das Land Baden-Württemberg widmete dem maroden Seegebiet ein eigenes Fremdenverkehrs-Entwicklungskonzept.

Die Studien (Auszüge veröffentlichten die Bodensee-Hefte in ihrer April-Ausgabe 1984) brachten es ans Tageslicht: Die Urlauber verschmähten den Bodensee nicht allein der starken Wasserverschmutzung wegen. Die gesamte touristische Infrastruktur, Gastronomie und Unterkünfte, Strandbäder und Freizeiteinrichtungen, ließen zu wünschen übrig – als „mittelmäßig“, „veraltet“ oder gar „ärmlich“ klassifizierten sie die Untersuchungen wenig schmeichelhaft.

Viele Vorschläge der wissenschaftlichen Entwicklungsprogramme – beispielsweise die Verbesserung der Wasserqualität, die Erleichterung des Seezugangs oder die Modernisierung von Hotels und Bädern – wurden inzwischen verwirklicht. Erfolgreich, wie die Statistik zeigt: Danach stieg die Zahl der Übernachtungen bis 1980 auf mehr als vier Millionen, das bedeutet eine Zunahme von einer Million seit dem Krisenjahr 1972.

Die neuerlichen Einbußen möchten die Tourismusfachleute denn auch erst einmal auf altbewährte Manier wieder wettmachen: Verkehrsdirektoren und Verbandsleute verlangt es nach neuen wissenschaftlichen Bestandsaufnahmen und Projekten.