Alles hätte Hans-Peter nach dieser Raserei erwartet, daß sich jedoch auf dem Dach seines 40 000 DM teuren Turboladers so ein kloßartiger Pickel gebildet hatte, ekelte ihn genauso an, als wucherte diese Beule auf seiner Haut. Er drückte darauf und Lack sprang ab. Und zum erstenmal erschienen Hans-Peter die Wolken am Himmel wie aufgeblähte Spruchbänder von Umweltschützern, doch er machte es kurz, und sagte einfach: Chemie. Danach untersuchte er noch die Haustür und jeden Fensterrahmen nach solchen Pickeln.

Hans-Peter sah sich noch tagelang von Pickeln übersät, und der Autolackierer betastete die Stelle auf dem Wagendach mit Gummihandschuhen. Seine Frau kaufte eine hautschonende Seife und wollte die Stellen der Bäume im Garten, wo sich Chemie eingefressen haben konnte, am liebsten mit Leukoplast bekleben, fand aber keine, und übermalte einen Rostfleck an ihrem Wagen und fragte beim Tanken einen Umweltschützer mit Aufklebern, ob er nur chemiefreies, selbstgebackenes Brot äße. Sämtliche Nahrungsmittel mit Chemiezusätzen mußten aus dem Haus. Hans-Peter hatte die Posten aufgelistet.

Eine Jacke aus Naturleder wollte er sich dann kaufen und mußte dabei an seinen Freund Kurt-Ulrich denken, dessen Sportwagen mit dem kernigen Ton doppelt so teuer war wie seine Kraftkarosse, die immerhin Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder bietet. Kurt-Ulrich trinkt nur Sekt, dadurch möbelt er seinen Reformgeist auf, doch einen gewissen Luxus, so meint er, müßten sich diejenigen schließlich leisten, von denen der Anstoß zur Neuerung ausgehe, und man wisse ja nicht, in welchem Elend man einmal landet.

Und Hans-Peters anderer Freund, Heinz-Dietrich, war vom Segelflugzeug auf ein Sportflugzeug umgestiegen, denn die Natur warf ihn zu oft aus der Bahn, und mit Motorkraft konnte man seine Träume schneller wechseln und fühlte sich im ganzen auch sauberer dort oben. Die Kosten setzte er von der Steuer ab. Saubere Umwelt ist ein wirtschaftliches Gut, pflegte er zu sagen, und ging öfter zu Fuß in seine Firma.

Und Hans-Peter stellte nun den Umweltschutz als ein persönliches Gut hin, da aber parolenfeindlich und in leitender Stellung, suchte er gewisse Milderungsgründe, und ihm fiel ein, mit wieviel Schmutz und Dreck seine Eltern und Großeltern leben mußten und trotzdem ihre Würde bewahrten und über siebzig werden konnten. Er vertraute auf die Erbanlagen, kaufte die Lederjacke, fühlte sich in seinem Turbolader wie in einem Schützenpanzer und gab Gas ... Automatisch zieht er den Kopf ein, wenn es diesig wird, und der Himmel tief liegt.