Auf dem Plakat, das Klaus Staeck für „Katharina’s Circus“ entworfen hat, jongliert ein Artist mit fünf Birnen. Aber das ist fast auch schon die einzige politische Anzüglichkeit. Katharina’s Circus hat jetzt in Köln seine Premiere erlebt. Katharina Focke, die Spitzenkandidatin der SPD für Europa, tingelt nun einen Monat lang mit dem Riesenzelt Abend für Abend durch andere Städte.

Das ist Wahlkampf, gewiß. Aber zunächst einmal handelt es sich um einen richtigen Circus mit Akrobaten und Clowns, Glanz, Dressur und viel ausgefallener Kleinkunst. William Althoff stellt Zelt und Artisten, Programm und Text hat sich die SPD einfallen lassen. Es soll sich um eine „Vorstellung von Europa“ handeln, voller Solidarität, ohne geächtete Minderheiten, auch ohne Sprach- und Grenzbalken. Das klingt pompöser als es ist. Politik findet statt, aber dosiert und am Rande. All das zusammen macht einen bunten, vergnügten, lohnenden Abend aus, was viel ist für einen Wahlkampf.

Europawahlen lassen sich schwer politisieren – und es steht weniger auf dem Spiel – also darf experimentiert werden. Und siehe da, es geht auch ohne Hochglanzbroschüren, Waschmittelplakate für Politiker-Gesichter oder die üblichen Bedenkenträgereien. Lange ist es noch nicht her, da hätte man sich die alte, ehrwürdige SPD nicht in der Rolle von heute vorstellen können. Jetzt verteilt sie in Fußgängerzonen Tüten (mit Äpfeln oder Mandarinen), auf denen steht: „Dieses Obst haben Sie bereits bezahlt. Im letzten Jahr haben Sie und alle anderen europäischen Steuerzahler 113 Millionen Mark für Äpfel bezahlt, die Sie nie gegessen haben...“

Oder hätte man sich die SPD vorstellen können, wie sie Radieschensamen verschenkt, um das Publikum auf den Geschmack für unverdorbenes Gemüse zu bringen? Wie sie Äste von gestorbenen Tannenbäumen verteilt mit der Aufforderung, sie als Mahnung an die Politiker in Brüssel zu senden? Oder wie sie auf Plakaten den „Lebenslauf einer Buche“ illustrieren läßt?

Das alles wird die Wahlen kaum beeinflussen und Europa nicht leuchten lassen, aber dennoch: Ein Test, wie ein informativer und pfiffiger Wahlkampf aussehen kann, bleibt es doch.

Vom „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ steht bisher nur fest, daß es in der Nähe des Kanzleramts eingerichtet wird; Helmut Kohl unterstützt das Projekt, eine Sammlung zur deutschen Geschichte seit 1945; und vor 1990/91 soll das Bonner Muesum fertig sein.

Alles übrige, Wesentliche bleibt offen. Zwar liegt ein Gutachten der Professoren Gall, Hildebrand, Möller und Löber für das Innenministerium vor. Wie aber eine Anhörung gezeigt hat, zu der Freimut Duve im Namen der SPD-Fraktion eine große Zahl engagierter Fachleute einlud, beginnt der Streit über die „Identität“ der Bundesrepublik mit diesem Projekt auch in Bonn.