Wer ist Herget? – Eine Frage, die zu Beginn dieser Bundesliga-Saison bei den Fußballfans in Hamburg, München oder Stuttgart mit Sicherheit allgemeine Ratlosigkeit ausgelöst hätte. Heute, kurz vor Saison-Schluß, weiß es jeder: Mathias Herget ist Mannschaftskapitän beim Aufsteiger Bayer Uerdingen und Nationalspieler auf dem Libero-Posten.

Wer ist Criens? – „Keine Ahnung“, hätte vermutlich selbst der welterfahrene Trainer des HSV, Ernst Happel, zu Beginn dieser Bundesliga-Saison gesagt. Heute wird das Mönchengladbacher Joker-Talent Jörg Criens – er schießt seine Tore meistens als Auswechselspieler nach der Pause – auch von den Trainern der Spitzenmannschaften ernst genommen.

Andererseits: Wer ist Burgsmüller? – Eine Frage, die den deutschen Fußballfan kaum noch interessiert. Abgestiegen in die zweite Klasse, abgehakt, erledigt. Und das, obwohl dieser Burgsmüller einmal Torschützenkönig der deutschen Spitzenklasse war. Das war, als er für Dortmund spielte. Eine Saison beim 1. FC Nürnberg genügte, um ihn in Vergessenheit geraten zu lassen. So schnell geht das.

Die einen fangen in einer Saison klein an und machen sich innerhalb kürzester Zeit einen Namen. Wie Mathias Herget von Bayer Uerdingen, wie Jörg Criens von Borussia Mönchengladbach, wie Frank Neubarth von Werder Bremen, wie Reinhold Mathy vom FC Bayern München oder wie Olaf Thon (hier einmal sogar einer aus der zweiten Bundesliga) von Schalke 04.

Die anderen haben bereits einen „Namen“, der sich in kürzester Zeit abnutzt. Zum Beispiel Pierre Littbarski vom l. FC Köln, Hans-Peter Briegel vom l. FC Kaiserslautern oder Dieter Schatzschneider vom HSV.

Plus und Minus im Zeitraffer einer Saison. Wer gestern der große Star war, kann heute schon dem Zynismus der Fußballfans („Burgsmüller? – nie gehört“) ausgesetzt sein. Und er kann sich andererseits genauso schnell einen „Namen“ machen wie zum Beispiel der junge Olaf Thon, der im Pokalspiel gegen Bayern München (6:6 nach Verlängerung) drei Tore erzielte.

„Ein Super-Talent“, gab selbst Bayern-Trainer Udo Lattek zu. Nur, man dürfe ihn nicht „verheizen“. Eine Berufung für die Nationalmannschaft käme jetzt noch zu früh.