Den oberitalienischen Thermalbadeorten Abano und Montegrotto ist ein touristischer Coup gelungen – auf Kosten der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Nachdem sich Badeärzte und -professoren aus fast ganz Europa verschiedentlich getroffen und neue Balneotherapien diskutiert hatten, schien den Weltgesundheitspflegern die Zeit reif für eine Präsentation konkreter Ergebnisse. So luden sie zu einer aufwendigen Presseveranstaltung ins frühlingswarme Abano -getreulich unterstützt von der Touristik-Vereinigung der Region Venetien.

Eine stattliche Phalanx von Vertretern der WHO, Experten des Bäderwesens, Universitätswissenschaftlern, Touristikmanagern und Politikern stellte sich dort den Fragen der angereisten europäischen Medizin- und Reisejournalisten. Doch die konkreten Ergebnisse, so zeigte sich schnell, waren nichts als medizinische Gemeinplätze. Unter dem Motto „WHO will Balneotherapien in Gesundheitsprogramme integrieren“, trugen Fachleute Banalitäten und Plattheiten über die Bedeutung der Heilbäder für ältere Leute vor. Aber auch die Jugend sei willkommen, so erfuhr man wenig überrascht, ihre Sportverletzungen auszukurieren.

Dem Trend folgend wurde noch die medikamentöse Behandlung rheumatischer Krankheiten sanft kritisiert. Als Gipfel ihrer Studie beschworen die Experten aber begeistert die „soziale Komponente“: Alle Bevölkerungsschichten seien aufgerufen, von den Segnungen der warmen Bäder zu profitieren. Sehr eindrucksvoll konnte das von den Journalisten draußen vor dem Kursaal in der warmen Frühlingssonne verfolgt werden, wo die Luxuskarossen Heilung suchender Bundesbürger vorbeirauschten.

Der Frage aber, welche Krankheiten denn nun nach den Ergebnissen der vorliegenden Studie besonders gründlich in den über 2000 Jahre alten Thermen behandelt werden könnten, wichen die Gesundheitsvertreter immer wieder mit erstaunlicher Geschicklichkeit aus.

Die Weltgesundheitsbehörde hat, so will es scheinen, sich schlicht vor den Karren der örtlichen Touristikorganisationen spannen lassen. Das ist bedauerlich, denn sie hat noch einen einigermaßen guten Ruf zu verlieren. Nachdem sie mit ihrem Programm „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“ nicht gerade Lorbeeren erntete, ist diese – von den Reisemanagern luxuriös ausgerichtete Präsentation – ein weiterer Imageverlust.

Hinrich Bäsemann