Der Haushaltsausschuß des Bundestages ärgert wieder einmal Bonner Beamte. Deren Dienstfahrten sollen ebenso reduziert werden wie die Zahl der Dienstwagen. Für den Spitzenbedarf soll man auf Taxis ausweichen, und bei Dienstreisen soll vorher durch einen Kostenvergleich geprüft werden, ob es immer ein Auto mit Fahrer sein muß oder ob der Beamte auch schon mal selbst steuern kann.

Wie alle früheren Initiativen wird auch diese neue, von den Abgeordneten Bernhard Friedmann (CDU), Heide Simonis (SPD) und anderen angeregt, wenig fruchten. Allerdings gibt es diesmal konkretes Material vom Bundesrechnungshof. Der stellte fest, daß viele Dienstwagen weniger als 20 000 Kilometer im Jahr laufen und der Jahresdurchschnitt auch nur bei 28 000 Kilometern liegt. Ein vom Rechnungshof angesprochener Konzern bringt es dagegen auf 52 000 Kilometer pro Jahr. Ein Dienstwagen mit Fahrer (Oberamtsrat) ist außerdem sehr teuer: bei 10 000 Kilometern Fahrleistung ergibt sich ein durchschnittlicher Kilometerpreis von sieben Mark. Zum Vergleich: der normale Steuerzahler darf sich nur 42 Pfennig anrechnen.

Nicht gefragt haben die Abgeordneten übrigens nach dem Sinn so mancher Dienstfahrt. Nicht jede Fahrt ist so „dienstlich“ wie sie eigentlich sein sollte. Und nicht jeder Fahrgast ist eine Amtsperson – wie kämen sonst etwa so viele charmante Damen im sommerlich geblümten Kleid zu den vielen Bonner Damentees?

Von Professor Waldemar Schreckenberger müßte man eigentlich verlangen können, daß er die politische Maxime seines Bundeskanzlers genau kennt, schließlich sitzt er als Staatssekretär mitten in der Bonner Machtzentrale. Aber während Bundeskanzler Helmut Kohl sich im Streit um die Arbeitszeitverkürzung auf die Seite der Gegner der 35-Stunden-Woche geschlagen hat und seine Regierungsmannschaft auch diesem Kurs gefolgt ist, sieht Schreckenberger die Arbeitszeitzukunft offenkundig ganz anders.

Das zumindest ergibt sich aus der von Schreckenberger in den Lübecker Nachrichten geäußerten Erwartung, bis 1990 werde den Bundesbürgern durchschnittlich 17 Prozent mehr Freizeit zur Verfügung stehen. Bei so viel bevorstehender Arbeitszeitverkürzung – fast sieben von 40 Stunden in der Woche – glaubte die SPD-Abgeordnete Herta Däubler-Gmelin nicht recht gelesen zu haben. Deshalb fragte sie im Bonner Bundestag nach und begehrte Schreckenbergers Quelle. Für Schreckenberger antwortete Irmgard Karwatzki, Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium. Wieso wohl das Gesundheitsministerium für Schreckenberger zuständig ist, beantwortete Staatssekretärin Karwatzki zwar nicht, bestätigte aber die Schreckenberger-Äußerung und verwies als Quelle auf die Baseler Prognos AG. Im übrigen klärte sie Frau Däubler auf, daß die Basis für diese Zahlen das Jahr 1977 sei

Aber auch dann müßte sich noch viel ändern: an der Wochenarbeitszeit hat sich seither nämlich nichts geändert, allerdings gab es zusätzlich Freizeit in Form von fünf Tagen mehr Urlaub. Auf die gesamte Netto-Jahresarbeitszeit (1768 Stunden) zogen, macht das aber nur 2,2 Prozent mehr Freizeit aus. Mithin bleiben bis zur Erfüllung der Prognos-Erwartung, die Schreckenberger sich ja zu eigen gemacht hat, noch 14,8 Prozent oder ziemlich genau 250 Stunden Arbeitszeit, die bis 1990 in Freizeit umgewandelt werden müßten. Ob dies in Form von rund 31 Tagen mehr Urlaub oder durch eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit – 53 Arbeitswochen unterstellt – um knapp fünf Stunden geschieht, ist eine noch offene Frage.

Ob Waldemar Schreckenberger das alles gewußt und bedacht hat, ehe er es ausgesprochen hat? Und ob die Politiker im Eifer des Streits und über allen ihren komplizierten Rechnungen daran gedacht haben, daß die Mitarbeiter von Prognos keine Propheten sind, sondern nur Vermutungen über die Entwicklung der Arbeitszeit angestellt haben, ist auch nicht bekannt.