Von Ulrich Stock

Hans Martens von der Oberpostdirektion Hamburg hat Humor. „Verstehen Sie den Witz?“ fragt er, bevor er die wahren Pläne der Post enthüllt. „Wir von der Post“, sagt er, „streben die Regalverwaltung an.“

Die sehe so aus, erklärt er: Der Absender kommt mit dem frankierten Brief zum Postamt, läßt ihn dort von einem Beamten, der ein Regal verwaltet, abstempeln und trägt den Brief dann selber zum Empfänger.

Hans Martens lacht. Doch die Postkunden, offenbar humorlos, finden das gar nicht komisch. Weil die Pointe nämlich darin besteht, daß ausgerechnet ein Postbeamter ausspricht, was viele Postnutzer insgeheim befürchten: daß bald Schluß ist mit „Schreib’ mal wieder“.

Die jüngsten Schritte auf dem Weg zur Regalverwaltung haben viele Bürger empört. Kaum eine Zeitung, die nicht mit hämischen Kommentaren über die Post herfrei. „Schreib’ nie wieder“, schrieb die tageszeitung, und die Süddeutsche Zeitung attestierte dem Postminister „die begnadete Fähigkeit, bei seiner Amtsführung kein Fettnäpfchen auszulassen, in das er treten könnte“.

Der Bundestagsabgeordnete Peter Paterna von der SPD hatte behauptet, die Post wolle für Briefe, die am Tag nach dem Einwurf den Empfänger erreichen (kühn „Schnellbriefe“ genannt), das Porto verdoppeln und alle anderen Schreiben zum alten Preis langsamer als bisher befördern. Zudem würden am Sonnabend gewöhnliche Briefe nicht mehr zugestellt, prophezeite Paterna. Allein „wichtige“ Samstagzeitungen träfen noch vor Montag beim Abonnenten ein, die Postämter würden ihre Öffnungszeiten verkürzen, Briefkästen blieben übers Wochenende unangetastet, auf dem Lande seien Brief-Sammelstellen vorgesehen, damit der Bote nicht länger in jedes Haus laufen müsse. Die Unterlagen, auf die der Abgeordnete sich stützte, nannte das Ministerium „belanglos“, Mit anderen Worten: Sie existieren. Dennoch: Kanzler Kohl dementierte den „Schnellbrief“ in der Bildzeitung. „Das kommt überhaupt nicht in Frage“, entschied er, und sein Sprecher Peter Boenisen ergänzte: „Papierkorb“.

Kurz darauf kündigte die Post an, sie werde die Briefkästen nachts und am Vormittag nicht mehr leeren.