Geharnischt protestiert der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) gegen die Maßnahme der Pariser Behörden, in Reisebussen nur noch französische Fremdenführer ans Mikrophon zu lassen. Busreisen nach Frankreich seien unter diesen Voraussetzungen kaum noch durchzuführen.

Vor und während des Osterreise-Verkehrs machten Frankreichs, Polizisten Jagd auf deutsche Urlauberbusse. wurde dabei ein Reiseleiter ohne französische Lizenz am Mikrophon bei seinen Erklärungen erwischt, hagelte es Strafen. Je nach Ermessen der Beamten waren 400 bis 800 Franc für die Staatskasse fällig. „Das ist reinster Protektionismus und hat mit der oft propagierten freien Berufswahl und dem freien Reiseverkehr innerhalb der Europäischen Gemeinschaft nichts mehr tun“, schimpft BDO-Geschäftsführer Gunther Mörl.

Warum in Frankreich unter dem Druck der dortigen Reiseleiterorganisation im letzten Jahr ein Uraltdekret neu ausgegraben wurde, nach dem in Frankreich nur Reiseführer mit französischer Lizenz arbeiten dürfen, ist klar. Wie in anderen, allerdings noch nicht zur EG gehörenden Ländern, etwa Spanien und Griechenland, versuchen nun auch die Franzosen, auf diese Weise mehr eigene Leute im Tourismusgewerbe zu beschäftigen. Angesichts der überall vorherrschenden Arbeitslosigkeit erscheint das sogar verständlich, schafft allerdings im internationalen Tourismus mehr Schaden als Nutzen.

Rund zwei Jahre dauert in Frankreich die Ausbildung zum staatlich geprüften Reiseführer. Doch auch bei so qualifizierten Fachleuten lassen die Deutschkenntnisse hin und wieder zu wünschen übrig. In und um Paris, verweist Josef Reis von Univers auf ein weiteres Problem, gibt es aber nur etwa 200 Reiseleiter. In der Hauptreisezeit werden mindestens 600 benötigt.

„Unter diesen Voraussetzungen sind Busreisen nach Frankreich kaum noch durchführbar“, sagt Günther Mörl. Inzwischen hat sein Verband sowohl die tourismus-politischen Sprecher der Parteien als auch die zuständigen Ministerien für Wirtschaft und Verkehr eingeschaltet. Das Französische Fremdenverkehrsamt versucht zu vermitteln. Denn hessische Busreiseveranstalter haben Mitte April aus Protest gegen die französischen Behinderungen eine offizielle Informationsreise ins Nachbarland abgesagt. Neue Aktivitäten wollen die Verbände erst wieder aufnehmen, wenn sich die Bedingungen für den Busreiseverkehr spürbar verbessert haben. „Die Reiseleiterbestimmungen waren nur das letzte Glied einer Kette“, meint Mörl. Nach seinen Auskünften werden deutsche Urlauberbusse bereits seit letztem Herbst an Frankreichs Grenzen so pingelig kontrolliert, „daß von Schikanen gesprochen werden muß“. Willi Bremkes