Von Heinz Michaels

Diesmal zieht er die meisten Pfeile auf sich. Die Arbeitgeber präsentieren ihn gern als den Buhmann der IG Metall, weil er mit Eifer die „absurde Forderung“ (Bundeskanzler Helmut Kohl) nach einer 35-Stunden-Woche propagiert, aggressiv propagiert. Ist Hans Janßen, im Vorstand der Metallarbeitergewerkschaft für Tarifpolitik zuständig, deshalb ein Scharfmacher? Ist er der Einpeitscher der Organisation? Trifft es ihn, wenn er in den Medien so dargestellt wird?

„Ich habe ein gutes Gewissen“, sagt er einmal, und: „Ich möchte kein Scharfmacher sein. Aber ich will konsequent sein, und ich hoffe, daß ich es bin. Zu dieser harten Kampagne, bei der wir von unseren Mitgliedern ja auch Opfer verlangen, sind wir gezwungen. Deshalb trifft mich der Tadel unserer Gegner gering.“ Ihm ist es wichtig, daß ihm in den Ortsverwaltungen Sympathie entgegenschlägt, wenn er dort auftritt.

Das Büro im fünften Stock des IG Metall-Hochhauses in der Frankfurter Leuschnerstraße kann es mit jedem Manager-Büro aufnehmen, edle Hölzer und schwarzes Leder. Franz Steinkühler, der zweite Vorsitzende, paßt in diese Umgebung; bei Hans Janßen wirkt sie wie ein zu großer Anzug. Die Kollegin im Vorzimmer sagt einfach: „Hans, Dein Besuch ist da.“ Und seinen „Kollegen Fahrer“ bittet er noch schnell, eine Besorgung für ihn zu erledigen. Gewerkschaftsusancen, die bei ihm nicht aufgesetzt wirken, wie bei manchem anderen Funktionär.

Es ist Freitagvormittag. Die Ergebnisse der Urabstimmung sind im Vorstand beraten, die Strategie für den Streik beschlossen worden. Vor Hans Janßen liegt ein „langes Wochenende“ im heimischen Münster. Zeit für eine Zwischenbilanz dieser Tarifrunde. Am Sonntagabend ist er in Stuttgart; um dabeizusein, wenn in der Frühe des Montag der Arbeitskampf beginnt.

„Niemand geht mit Begeisterung in diesen Streik. Aber es muß sein, weil in den Verhandlungen kein Kompromiß zu erreichen war.“ Und wie zur Rechtfertigung setzt er schnell hinzu: „Wir haben mehrfach Kompromißbereitschaft signalisiert.“ Signale, auf die es keine Antwort gab.

Hans Janßen ist fest davon überzeugt, daß die Opfer sein müssen, die die Gewerkschaft jetzt im Arbeitskampf von ihren Mitgliedern verlangt. „Sonst müßten wir vor den Arbeitgebern und vor der Regierung zu Kreuze kriechen. Und das würde von den Arbeitnehmern später mehr Opfer fordern, als wir ihnen heute zumuten.“ Wenn die IG Metall jetzt auf das Angebot der Arbeitgeber eingehen würde – 3,3 Prozent mehr Lohn, Verkürzung der Lebensarbeitszeit, flexible Arbeitszeitregelung dann wäre das „eine Kapitulation. Das geht nicht“. Aber „Ein Kompromiß wäre von der Organisation zu verkraften.“