Günter Döding, der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG), hat sein Ziel erreicht. In der vergangenen Woche konnte er endlich seine Unterschrift unter ein langersehntes Rahmenabkommen setzen. Der Inhalt: Eine Vorruhestandsregelung für 58jährige Arbeitnehmer der Nahrungs- und Genußmittelindustrie.

Zwar muß die Vereinbarung noch in Tarifverträgen mit den einzelnen Industriezweigen der Branche festgeklopft werden, doch der Durchbruch ist geschafft. Die Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuß empfiehlt ihren Mitgliedsorganisationen, innerhalb der nächsten vier Wochen entsprechende Verträge mit der NGG abzuschließen.

Auf dieses Ziel hat Günter Döding seit Jahren hingearbeitet. Es war der „Döding-Plan“ vom Dezember 1981, der die „Tarifrente“ mit staatlicher Finanzhilfe in die Diskussion brachte, um auf diese Weise die Arbeitslosigkeit zu mildern. Erfolg versprach dieses Konzept allerdings nur dann, wenn der Gesetzgeber durch eine entsprechende Regelung mit von der Partie war. Dies zu erreichen, war wohl das härteste Stück Arbeit. Galt es doch nicht nur, den Minister zu überreden, auch die schwierigen parlamentarischen Hürden mußten genommen werden.

Die Überzeugungsarbeit war überdies dreimal hintereinander zu leisten. Zunächst mußte der damalige Bundesarbeitsminister der sozialliberalen Koalition, Herbert Ehrenberg, für den Plan gewonnen werden, dann sein Nachfolger Heinz Westphal und schließlich, nach der Wende, der Christdemokrat Norbert Blüm.

Blüm schaffte es schließlich, die gesetzlichen Grundlagen für die Tarifrente durchzuboxen, die nun in der Bürokratensprache Vorruhestandsregelung heißt. Eitel Freude indes bereitete das Blümsche Kompromißwerk dem Initiator nicht; die finanzielle Ausstattung war ihm zu mager.

Immerhin, erst das Gesetz macht eine solche Vereinbarung möglich, wie sie jetzt in der Nahrungs- und Genußmittelindustrie getroffen wurde. Die älteren Arbeitnehmer der Branche sollen 75 Prozent ihres Bruttoeinkommens bekommen, wenn sie als 58jährige oder Ältere freiwillig aus dem Berufsleben ausscheiden. Und die freiwerdenden Arbeitsplätze sollen wieder besetzt werden, sonst gibt es ohnehin keine staatliche Finanzhilfe.

Günter Döding gewann für seine Idee der Lebensarbeitszeitverkürzung freilich nicht nur Minister und Parlamentarier. Auch die Kollegen anderer Gewerkschaften fanden Gefallen an dem Konzept. IG Chemie und IG Bau, Textil- und Bergarbeitergewerkschaft setzen inzwischen zusammen mit der NGG auf die Verkürzung der Lebensarbeitszeit, ganz im Gegensatz zu Metallern, Druckern und anderen, die der 35-Stunden-Woche den Vorrang geben. Innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der alle diese Arbeitnehmervertretungen angehören, waren die unterschiedlichen Wege zur Verkürzung der Arbeitszeit lange Zeit Anlaß für heftige interne Auseinandersetzungen.