In der Krise blüht die Schwarzarbeit in der Bauwirtschaft mehr denn je

Von Wolfgang Hoffmann

Als die Düsseldorfer Polizei die Großbaustelle des neuen nordrhein-westfälischen Landtags kurz nach Arbeitsbeginn abriegelte, glaubten die Beamten noch an den großen Coup. Das tatsächliche Ergebnis ihrer Großaktion war dann jedoch dünn: statt der erwarteten hundert gingen der Polizei nur rund zwei Dutzend illegaler Leiharbeiter ins Netz. Die Razzia war offenbar vorher verpfiffen worden; die meisten Illegalen waren deshalb an diesem Morgen gar nicht erst zur Arbeit gekommen.

Solche Fehlschläge kommen vor. Ulf Höltkemeier vom Landesarbeitsamt in Düsseldorf weiß nur zu gut, mit welch cleveren Gegnern er es zu tun hat: „Die Gegenseite ist gut durchorganisiert und uns immer ein Stück voraus.“

Die Gegenseite – das sind die Bosse organisierter Banden, die schon längst über die deutschen Grenzen hinweg arbeiten und ihre Handlanger in der Bundesrepublik oft genug vom sicheren Ausland steuern. Ihre Opfer sind in der Regel Arbeitslose und Ausländer, deren Aussichten auf einen legalen Job nur noch minimal sind. Dritte im Bund sind Firmen im gesamten Bundesgebiet, vorwiegend solche des Baugewerbes. Die Arbeitsämter jedenfalls sind überzeugt, daß es kaum eine Großbaustelle in der Republik gibt, auf der keine Arbeitnehmer illegal beschäftigt werden.

Theoretisch setzt das Gesetz zur „Regelung der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung“ Verleihern und Entleihern von Arbeitskräften ganz enge Grenzen. Die rund hundert Leih- und Zeitarbeits-Firmen, die im Bundesverband Zeit-Arbeit (BZA) organisiert sind, überlassen pro Jahr etwa 30 000 Arbeitnehmer, ihr Umsatz liegt bei etwa einer halben Milliarde Mark. Kummer bereiten den Arbeitsämtern allerdings nicht diese Firmen, da sie über eine entsprechende Erlaubnis verfügen, Arbeitnehmer anzuheuern und bei Bedarf zu verleihen. Sorgen bereiten der Arbeitsverwaltung die Verleiher, die im Trüben fischen. Besonders frappierend dabei ist, daß die Illegalität ausgerechnet auch noch in einem Gewerbe blüht, das eigentlich ganz von der Leiharbeit ausgeschlossen ist. Paragraph 12a des Arbeitsförderungsgesetzes bestimmt nämlich: „Gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung in Betrieben des Baugewerbes für Arbeiten, die üblicherweise von Arbeitern verrichtet werden, ist unzulässig.“

Das Verbot ist freilich nicht viel wert, wie so oft, wenn es um hohe Profite geht. Die aber sind mit der illegalen Arbeitnehmerüberlassung allemal zu machen. Fünf Mark sind das Minimum dessen, was der Verleiher als Reingewinn pro Mann und Stunde einstreicht, fünfzehn Mark die Regel. Solche Aussichten sind verlockend. Aber auch die Entleiher machen ihren Schnitt. Im Baugewerbe, wo der Konkurrenzkampf angesichts der miesen Auftragslage mit harten Bandagen ausgetragen wird, läßt sich bei den Materialkosten kaum noch sparen. Die Personalkosten sind oft die einzige Möglichkeit, den Angebotspreis zu drücken und so die Konkurrenz im Wettbewerb um Aufträge auszustechen.