Über die metaphysischen Implikationen von Caspar David Friedrichs spätem Bild „Das Große Gehege“ (1832) sind wir durch viele und gelegentlich auch ausschweifende Interpretationen bestens unterrichtet: die Art, wie hier Himmel und Erde konkav miteinander verschränkt sind und dennoch auseinanderzustreben scheinen, hat zu manchen Spekulationen über Leben und Tod Anlaß gegeben. Aber was ist, wenn wir nun auf einmal auch noch zusätzlich lesen, daß die von Friedrich gemalte Flußlandschaft (das Große Ostra-Gehege, eine Aue nordwestlich von Dresden an der Elbe gelegen) ein Stück Natur zeigt, das sich durch Abholzung und Auflichtung sowie die darauf folgenden Anschwemmungen von Sand und Schutt im Laufe des 19. Jahrhunderts heftig verändert hatte?

Daß die Vergewaltigung und Zerstörung der Natur nicht erst von heute stammt, belegt ein gescheites, aktuelles und doch nicht modisches Buch, in dem die Kunst vom Mittealter bis zur Moderne doppelt kommentiert wird: aus der Sicht des Kunsthistorikers und aus der des Ökologen/Ökonomen (Henry Makowski / Bernhard Buderath: „Die Natur dem Menschen Untertan“ – Ökologie im Spiegel der Landschaftsmalerei; Kindler Verlag, München, 309 Seiten, 42 DM). Am Beispiel der Rubriken Garten, Landwirtschaft, Wald, Wasser, Heide, Moor, Meer und Gebirge wird hier eine Geschichte geschrieben, die mitten in unsere Existenz zielt. Sehen konnte man es schon immer, daß, lange bevor die Bäume und Büsche ihre Blätter und Nadeln auch im Sommer verloren, sie, je nach Mode und Laune, mal ins Korsett geometrischer Formen und abgezirkelter Gärten gezwungen wurden, mal wie der wilde Wald zu wuchern hatten. Durch diese Untersuchung aber, die den Umgang des Menschen mit der Natur historisch verfolgt, lassen sich unsere zeitgenössischen Probleme um so präziser begreifen. Schade nur, daß es beim kunsthistorischen Kommentar nicht immer gelungen ist, Bild und Text synchron laufen zu lassen.