In hektischen Sprüngen kam der Dollarkurs in der letzten Woche verdächtig nahe an 2,80 Mark heran. Wie weit Fluchtgelder aus der Bundesrepublik, die dem wirtschaftlichen Folgen des Arbeitskampfes in der Metallindustrie ausweichen wollen und das Land verlassen haben, die Mark zusätzlich gedrückt haben, läßt sich mit wissenschaftlicher Genauigkeit nicht ausmachen. Stark kann der Einfluß nicht gewesen sein angesichts der drastisch gestiegenen Dollarzinsen. Sie sind die bewegende Kraft.

Daß die gewaltigen amerikanischen Haushaltsdefizite die Ursache der Zinssteigerungen sind, bestreitet nur die amerikanische Regierung. Präsident Reagan und Finanzminister Regan halten unbeirrt an der These fest, daß die Zinsen trotz der Haushaltsdefizite nicht so hoch wären, wenn Notenbankchef Volcker nicht so hart auf die monetäre Bremse treten würde. Die Interessenlage ist klar. Volcker möchte neue Inflationsimpulse gar nicht erst aufkommen lassen, während die Regierung im Wahljahr an niedrigeren Zinsen interessiert ist. Der einzige, der im Dunstkreis des Weißen Hauses die Position Volckers unterstützt, ist Martin Feldstein, der Wirtschaftsberater des Präsidenten. Er geht planmäßig am 10. Juli wieder an die Harvard-Universität zurück.

Dann wird uneingeschränkt gelten, was neulich ein guter Kenner Washingtons mit unüberbietbarem akademischem Zynismus über das Weiße Haus sagte: Wenn es dort überhaupt ökonomischen Sachverstand gäbe, dann nur beim Präsidenten selbst; die anderen verstünden alle noch weniger. R. H.