Ein Buch über den deutschen Expressionismus ist heute vielleicht willkommener denn je: benutzt doch eine ganze Generation von Malern seit ein paar Jahren das von der Großvätergeneration geschaffene Werk mit flinkem Finger als Selbstbedienungsladen. Eine große Beckmann-Ausstellung oder ein Expressionismus-Band wird die „hochgemuten Nichtskönner“, wie Peter Iden sie einmal nannte, zwar nicht irritieren, aber das verunsicherte Publikum kann sich mit dem Blick nach rückwärts rasch und eindeutig informieren über den Unterschied von Expression und Dekoration. Daß der deutsche Expressionismus nicht von der Einheit einer künstlerischen Form, sondern von der Vielfalt der Erscheinungsformen charakterisiert ist, wurde zu Recht immer wieder betont. Daß das Wort „Expressionismus“ darüber hinaus eine Gesinnung signalisiere, daß es Hoffnung und Utopie, Angst und Verzweiflung meint, ist der Ansatzpunkt von Wolf-Dieter Dube in „Der Expressionismus in Wort und Bild“ (Verlag Skira/-Klett-Cotta, Stuttgart, 172 S. mit 95 farb. und 150 schwarzweißen Abb., 178 DM).

Dube, seit 1983 Generaldirektor der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin, hat bereits vor zehn Jahren eine Untersuchung über „Die Expressionisten“ veröffentlicht nnd 1967 zusammen mit seiner Frau den (Euvre-Katalog des Graphischen Werks von Kirchner herausgegeben. Der jetzt vorgelegte Band ist insofern ein Glücksfall, als Dubes nicht linear, sondern quasi poliphon geschriebene Geschichte dieser zwischen Ekstase und Apokalypse angesiedelten deutschen Kunst durch hervorragend ausgewählte und reproduzierte Abbildungen sowie Dokumente, Gedichte und Künstlertexte so ergänzt ist, daß Original und Kommentar einander komplettieren. Daß Dube auch die expressionistischen Künstler-Architekten einbezogen hat, gibt dem Band eine zusätzliche Dimension.