Daß viele Börsenneulinge zunächst stimmrechtslose Vorzugsaktien plazieren, um alte Herrschaftsstrukturen zu sichern, mag allenfalls noch verständlich sein. Grundsätzlich bleiben solche Vorzugsaktien ein Schönheitsfehler, denn in der Aktionärsdemokratie muß derjenige, der ein Risiko trägt, auch mitentscheiden dürfen.

Kaum Verständnis wird jedoch für solche Verwaltungen aufzubringen sein, die über die Einführung eines Höchststimmrechtes auf Hauptversammlungen die „Unabhängigkeit der Gesellschaft“ zu sichern suchen. Das mag in Sondersituationen zu rechtfertigen sein, wie nach der ersten Ölkrise, als die Gefahr bestand, daß die Neureichen des Nahen und Mittleren Ostens die Perlen der deutschen Industrie aufkaufen würden.

Damals glaubten selbst so starke Unternehmen wie die Deutsche Bank, zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit die Krücke der Stimmrechtsbegrenzung in Anspruch nehmen zu müssen. Heute gibt es einen solchen Notstand nicht. Auch nicht bei der Continental Gummiwerke AG, die das Höchststimmrecht auf fünf Prozent des Aktienkapitals begrenzen will. Damit soll etwaigen Interessenten die Lust genommen werden, an die Stelle der bisherigen Großaktionäre (Deutsche Bank, Bayer und Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft) zu treten. Sie haben sich von ihren Aktien weitgehend getrennt. Wenn der Vorstand „unabhängig“ bleiben will, muß er entweder ihm genehme neue Großaktionäre suchen oder sich selbst zum Großaktionär emporsparen. Stimmrechtsbeschränkungen sind systemwidrig und deshalb abzulehnen. K.W.