Frankfurt/Main

Noch eine Bank für Frankfurt. Doch die neue soll alles ganz anders machen als die 350 Banken, die dort bereits wirtschaften. Eine Genossenschaftsbank soll’s werden, „weil das eine der demokratischsten Rechtsformen ist“. Das sagt Lothar Witte von den „Freunden und Förderern der Öko-Bank e. V.“

„Öko“ steht für Ökologie. Vor allem in ihrer Geschäftspolitik soll sich die neue Bank gründlich von allen anderen unterscheiden: Kreditwürdig ist nur, wer umweltfreundlich produziert, wer auf keinen Fall Rüstungsgüter herstellt. Vorrang haben Betriebe, die keinen „Chef“ haben, also selbstverwaltete Betriebe aus der „alternativen Ökonomie“.

Zurzeit leben und arbeiten – vorsichtig geschätzt – mehr als 20 000 Bundesbürger in solchen alternativen Projekten. Diese Betriebe haben es schwer, wenn sie Geld leihen wollen. Einer der Gründer der Frankfurter Öko-Bank, Karl Bergmann, lebt seit acht Jahren in der selbstverwalteten Krebsmühle bei Frankfurt: „Da hilft auch kein Schlips. Die fragen zuerst: Wer ist hier der Chef? Und wenn du sagst: Haben wir nicht, dann kriegst du keine müde Mark.“

Die Überlegung der alternativen Genossenschaftsbank-Gründer: Bei der letzten Bundestagswahl haben mehr als zwei Millionen Bürger „grün“ gewählt. Gehaltskonten und Erspartes vertrauen sie alle weiterhin Banken und Sparkassen an, die mit allen Unternehmen zusammenarbeiten, also auch solchen, die Rüstungsgüter produzieren und die Umwelt zerstören. In der „Okopax“-Bewegung müßte doch eigentlich, vermuten die Bankgründer, ein großes Interesse an einem alternativen Kreditinstitut mit einer alternativen Geschäftspolitik vorhanden sein. Tatsächlich ist auf verschiedenen Mitgliederversammlungen der Grünen über dieses Thema diskutiert worden. Die Neu-Bänker hoffen denn auch, daß sie von den Grünen unterstützt werden.

Noch sind die Voraussetzungen nicht erfüllt. Sechs Millionen Mark braucht die neue Genossenschaftsbank als StartkapitaL Diese sechs Millionen sind der erste Stolperstein. Daß solche Beträge in der „Ökopax“-Bewegung zu holen sind, haben regionale Initiativen gezeigt: In München hat eine Gruppe in Zusammenarbeit mit einer kirchlichen Bank innerhalb von drei Monaten 2,5 Millionen Spargelder aus der Szene locker gemacht, die jetzt gegen niedrigen Zins an alternative Projekte vergeben werden können.

Die Ökobank-Gründer hoffen auf Unterstützung aus den regionalen Initiativen. Doch bei einem Treffen in Frankfurt zeigten die Vertreter aus Hamburg, München, Freiburg und Berlin Zurückhaltung: Ein Modell von oben sei das, von wohlmeinenden Intellektuellen entwickelt, die keine Erfahrung in alternativen Projekten gesammelt hätten. Sie fragten, wer denn überhaupt all das Geld, aufnehmen solle, das die Ökobank zusammenbringen will. Schon jetzt fehle es in der alternativen Ökonomie eher an der richtigen Beratung bei den Projekten als am Geld, sagen die Kritiker: Die Ökobank wird schließlich eine Bank wie alle anderen auch, und sie gräbt uns das Wasser ab.