„Der Aufstand der Dicken – Satirischer Roman über eine gewichtige Revolution“, von Gabriel Laub. – Der in Hamburg lebende Gabriel Laub, 1928 in Polen geboren, emigrierte 1968 aus Prag in die Bundesrepublik. Hier publizierte er zunächst exquisite Aphorismen („Verärgerte Logik“ und weitere), denen sehr zustatten kam, daß Laub den großen polnischen Aphoristiker Stanislaw Jerzy Lee (1909-1966) noch kannte. Es folgten gute bis brillante Satiren („Ur-Laub zum Denken und weitere). Sein Slalom-Lauf durch die bundesdeutsche Verlagslandschaft führte ihn von Hanser über Knaus zu Lübbe, wo inzwischen alles Wesentliche von Laub zu freundlichen Taschenbuchpreisen zu haben ist. Hier ist von einem „Satirischen Roman“ zu sprechen; wenn’s nach dem Umfang geht, ein opus magnum; aber die kleinen Werke waren gewichtiger. „Dicke aller Gewichte, vereinigt euch!“ ist die parodistische Parole dieses utopischen „Aufstandes der Dicken“ in der Bundesrepublik, Dicke, die Schlanke gern tolerieren wollen, es aber satt haben, sich selbst nach dem Diktat der Mode ihr „Idealgewicht“ erhungern zu müssen. Ein (fiktiv) gewaltloser Umsturz findet statt; Mollige, so die Theorie, kommen auch ohne Ideologie aus. Ein Häuflein radikaler Linksabweichler, Vertreter des sogenannten „Massismus-Gewichtismus“, bleibt ebenso links liegen wie die sich anbiedernde Presse, darunter das ZEIT-Feuilleton sowie eine vor dem Umsturz unter einem mehrzackigen Signet bekannte Hamburger Illustrierte, die sich – nach der Revolution der Bäuche – „Der Vollmond“ nennt. Satiriker aller Länder, lernt voneinander! Als Ephraim Kishon einmal einen „Roman“ schreiben wollte, wurde es ein Flop („Der Fuchs im Hühnerstall“) Andererseits zeigt Hans Weigel in seiner wütenden Hitler-Parodie „Der grüne Stern“, daß sich auch scheinbar harmlose Vegetarier bis zur Blutrünstigkeit fanatisieren lassen. Für die allzu gemütliche Breite dieses neuen Satiren-Arrangements von Laub – Mogel-Etikett: „Roman“ – entschädigen immerhin die auch hier verstreut aufzufindenden Aphorismen: „Nur die Dümmsten sind dumm genug, sich für die Klügsten zu halten.“ (Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach, 1983; 221 S., 29,80 DM.) Hanns-Hermann Kersten