Der Name Brockhaus ist im Deutschen ein Synonym für Lexikon. Der Brockhaus, ob groß oder klein, gibt knappe, sachliche Informationen über Daten, Namen und Phänomene der Geschichte und, soweit das möglich ist, der Gegenwart. Dabei ist das (jenseits der direkten Nützlichkeit) beeindruckend Absurde an einem Lexikon, daß da die heterogensten Dinge durch nichts als die Konsequenz des, Alphabets nebeneinander gezwungen und zu lesen sind (das um den gesuchten Artikel Herumlesen ist das Schönste bei der Benutzung eines Lexikons).

Was aber ist nun, wenn der Brockhaus nicht als, wie man das früher auch nannte, „Universal“- oder „Konversations-Lexikon“ auftritt, sondern als ein spezialisiertes Nachschlagewerk, zum Beispiel für die Kunst? Ist das ein nützliches Buch nur für die Konversation (beziehungsweise danach!), den Schulaufsatz oder auch für Spezialisten? Der „Kunst-Brockhaus“, der jetzt zum erstenmal erschienen ist (Verlag Brockhaus, Wiesbaden, 2 Bände mit 1360 Seiten und 17 000 Stichwörtern, Ganzleinen, Subskriptionspreis je Band 148 DM, Ganzleder, Subskriptionspreis je Band 220 DM) ist ein seltsames Zwitterding: zuverlässig (wenn auch mit gelegentlich falschen Akzentuierungen bei der Bildauswahl) und (von der Eiszeit bis zu Beuys) umfassend; aber, wie es sich für ein Lexikon gehört, quasi farblos. Das freilich ist, im Zusammenhang der Kunst, eine widersprüchliche Qualität.