Von Anfang an hatte ich das Gefühl, diese Landschaft zu kennen, die sanften Hügel, so weit das Auge reicht, die schmalen kurvenreichen Straßen mit den struppigen Hecken zur Rechten und zur Linken, die toten Bäume, die man nicht fällt, sondern von Efeu überwuchern läßt – ein eigenartig bizarrer Anblick. Aber erst als wir die Küste erreichten, fiel mir ein, woher ich Cornwall kannte: aus dem Roman „Rebecca“: „Gestern nacht träumte ich, ich sei wieder in Manderley ...“

Die Schriftstellerin Daphne du Maurier lebt in Südengland, und das Schloß Manderley ihres Romans soll angeblich nach dem Vorbild ihres ehemaligen Wohnsitzes Menabilly entstanden sein, einem alten Landhaus in der Nähe des Heiford River.

Die Erinnerung an „Rebecca“ begleitete mich in den nächsten Tagen. Immer, wenn wir uns auf unserer Fahrt durch die cornische Landschaft wieder der Küste näherten, glaubte ich, das Schloß müsse auftauchen, dunkel, geheimnisvoll und inmitten eines riesigen Parks unweit vom Meer gelegen.

Wild-romantisch nennt der Reiseführer die Küstenlandschaft im Norden Cornwalls; das sind Attribute, die für Portugals Algarve oder für die Bretagne ebenso aus der Beschreibungskiste gezaubert werden. Aber das Licht ist anders. Vielleicht Nuancen heller, Nuancen dunkler – schwer zu sagen. Aber anders. Küstenlinie, Horizont und Himmel grenzen sich klar voneinander ab in diesem Licht, nichts verschwimmt, nichts verschleiert. Die Farben sind kräftig und satt, wie geschaffen zum Malen und zum Photographieren.

Wir verlassen Nord-Cornwall und fahren an der Küste entlang Richtung Südwesten. Der Riese Bedruthan hat hier gewohnt, eine Sagengestalt. Er hinterließ der Nachwelt riesige Stufen, die von der Klippe bis hinunter zum Meer in eine besonders schöne, vom Felsen umgrenzte Bucht führen.

Unweit dieser „Bedruthan-Steps“ liegt Newquai, eine kleine Stadt mit altem Hafen und umgeben von elf Stränden. Nicht nur auf den ersten Blick besteht der ganze Ort aus Hotels, Pensionen, Ferienhäusern: Über 500 sind es insgesamt. Newquai ist das Touristenzentrum Cornwalls. Man tut gut daran, bei der Anreise gleich am Ortseingang nach dem Weg zu fragen; durch Zufall stößt man kaum auf das Hotel, das man gebucht hat. Zu schnell ziehen rechts und links die oft keltisch klingenden Namen der unzähligen Herbergen vorbei. Und das Einbahnstraßengewirr der Stadt erfordert die ungeteilte Aufmerksamkeit des (im Linksfahren ungeübten) Autofahrers.

Newquai bietet als besondere Attraktion einen Golfplatz mit 18 Löchern, hoch oben über dem Meer gelegen mit Blick gen Horizont. Aber der beliebteste Sport der Urlauber ist das Wellenreiten in der Brandung, Jeder versucht es, nur wenigen gelingt es. Stehend auf dem Brett an Land zu gleiten, ist verflixt schwer. Den Könnern winken als Lohn die bewundernden Blicke der Paddler, die immer um Zehntelsekunden den richtigen Moment zum Aufsteigen verpassen: platsch. Bauchlandungen sind die Regel. Das Meer ist gerade jetzt warm genug, um wieder und wieder den Kampf mit Brett und Brandung zu versuchen – irgendwann muß es doch klappen? Platsch.