Von Hartmut von Hentig

Was sind Medien – was ist ihre vernünftige Funktion, und wo hört diese auf? Medium heißt ein Mittleres, etwas, was zwischen den Täter und sein Objekt tritt. Die alten Medien des Unterrichts waren das gesprochene und das geschriebene Wort, Tafel und Kreide, Heft und Bleistift, Buch und Logarithmentafel, Gegenstände und ihre Abbildung – Skelett, Globus, Wandkarte, die Projektionen aus einem Epidiaskop. Die neuen Medien sind der Computer, der Bildschirm, die audiovisuelle Cassette.

Was haben diese alten Mittel gemein? Was macht sie pädagogisch fruchtbar?

Ihre Unvollkommenheit: sie verlangen vom Lehrer, daß er sie belebt und für seine Zwecke aneignet, und vom Schüler, daß er sich den gemeinten Gegenstand, das geistige Erlebnis selber schafft;

– ihre Dienstbarkeit: sie funktionieren nicht für sich;

– ihre beliebige Kombinierbarkeit;

– ihre Beziehung zur alltäglichen Erfahrung, ihre Offenheit zu den sie umgebenden Handlungsmöglichkeiten :cretam capio, und: Marce, ad tabulam ... und: zeig’s mir im Buch, schlag’ nach im Lexikon, dreh’ den Globus einmal halb um seine Achse, reise mit dem Finger direkt ostwärts von Argos ‚ stellt einmal das Bild nach, das ich an die Wand projiziert habe – und so fort;