Nicht für Fanatiker, wohl aber für Fans in Sachen Bayreuth ist Johannes Grützkes Bilderbuch „Aus dem Leben Richard Wagners“ ein großer Spaß. Wenn Grützke, Begründer der Berliner „Schule der Neuen Prächtigkeit“, in seinen großformatigen und farbprunkenden Bildern alltägliche Szenen ins Groteske eskalieren läßt, so geht er hier genau umgekehrt vor: Die Heroen und Exzentriker werden herabgestimmt auf das Maß des menschlich Allzumenschlichen, ausgenüchtert im zarten Schwarzweiß der Radierung. Peter Wapnewski, noch in reifen Mannesjahren heftig ins Wagner-Fieber gefallen, aber dadurch glücklicherweise nicht seines Verstandes als Germanist und Literaturästhet beraubt, hat zu Grützkes Szenenfolge Kommentare geschrieben, die die tragikomischen Situationen erläutern. (Johannes Grützke: „Aus dem Leben Richard Wagners; Erläuterungen in sieben Stationen mit einem Vorabend von Peter Wapnewski, Merlin Verlag, Vastorf, 27 S., Normalausgabe 50,– DM, Vorzugsausgabe 1280,– DM).