In letzter Zeit sind die Kurse deutscher Aktien deutlich zurückgefallen. Sie gerieten in die Zange von Streiks und steigenden Zinsen. Der stärkere Druck ging unbestritten von der Zinsentwicklung aus, und zwar von der in den USA, wo das Renditenniveau wieder hart an vierzehn Prozent herangekommen ist.

Die Zinsen in der Bundesrepublik folgen diesem Anstieg nur sehr moderat. Gleichwohl wurde die Anhebung des Nominalzinssatzes für die neue Bahn-Anleihe von 8 auf 8,25 Prozent in Anlegerkteisen als Signal gewertet. Eine Anhebung von Diskont- und Lombardsatz am 31. Mai gilt als möglich. Dies allerdings nur, wenn der Dollar-Kurs dies erforderlich machen würde. Seine leichte Abschwächung am Wochenbeginn läßt hoffen, daß der Zentralbankrat nicht an der Zinsschraube zu drehen braucht.

Kennzeichen der Abwärtsbewegung am Aktienmarkt ist nicht der Abgabedruck, sondern die Zurückhaltung der Anleger. Selbst aus dem Ausland ist in den letzten Tagen nicht sonderlich viel an deutschen Aktien zurückgeflossen. Der am Wochenbeginn gestartete Streik in einigen Betrieben der Metallindustrie kam alles andere als überraschend. Daß er in Richtung Autoindustrie zielen würde, war seit langem bekannt.

So lange die Arbeitskämpfe anhalten, ist allerdings mit einer nachhaltigen Kurserholung der deutschen Aktien kaum zu rechnen. Gleichwohl gibt es jetzt schon „mutige“ Anleger, die an besonders schwachen Börsentagen vorsichtig Material aus dem Markt nehmen. Sie sind der Meinung, daß die auf den Bilanzpressekonferenzen der vergangenen Tage verkündeten Prognosen für das Jahr 1984 in den Kursen einen Nachholbedarf entstehen lassen, der spätestens in der zweiten Jahreshälfte befriedigt werden wird.

Dabei wird auf die Titel der Großchemie verwiesen, besonders auf Hoechst, wo der Start zur Kapitalerhöhung in eine denkbar ungünstige Zeit gefallen ist. Die sich bei Siemens für 1983/84 abzeichnende Gewinnexplosion ist ebenfalls von den Aktienanlegern noch nicht gewürdigt worden.

Daß diese aber noch nicht völlig gegenüber positiven Wirtschaftsnachrichten abgestumpft sind, haben in letzter Zeit die „Fälle“ Pegulan und PKI gezeigt. Bei Pegulan zog der Kurs kräftig an, als die Anhebung der Stammaktien-Dividende von vier auf sieben und der Vorzugsaktien-Dividende von fünf auf acht Mark verkündet wurde. Außerdem gibt es dort ein lukratives Bezugrecht.

Bei PKI, zum Philips-Bereich gehörend, wird die Ausschüttung sogar von fünf auf 16,50 Mark angehoben. Dabei spielen zwar Sonderfaktoren eine Rolle, doch das Ausmaß der Aufstockung läßt aufhorchen. Entsprechend „explodiert“ ist der Kurs der PKI-Aktie. K. W.