Von Georg Weden

Dem Hamburger Fahrlehrer Rolf Walther ergeht es augenblicklich wie Verteidigungsminister Manfred Wörner. Beide halten vergeblich nach jungem Nachwuchs Ausschau. Denn die Geburtenkurve zeigt gnadenlos nach unten. Mit 575 000 jungen Leuten, die 1996 die Volljährigkeit erreichen, stehen – die Mädchen eingerechnet – für Fahrschulen und Bundeswehr nur noch halb so viele Aspiranten zur Verfügung wie 1984.

Aber anders als der Minister in Bonn kann Walther, der zweite Bundesvorsitzende des deutschen Fahrlehrerverbandes, die Ausbildungszeit seiner Schützlinge nicht beliebig verlängern.

So stehen den rund 12 000 bundesdeutschen Fahrlehrern und rund 9000 Fahrschulen schwierige Zeiten bevor, in denen, so Rolf Walther, „der Konkurrenzkampf bei uns stark zunehmen wird“. Und so viel ist für ihn gewiß: „Nur die Besten werden das überleben.“ Anfang der sechziger Jahre wehte den Fahrlehrern schon einmal der scharfe Konkurrenzwind geburtenschwacher Jahrgänge um die Nase. „Das haben wir damals auch überstanden und sind dann gestärkt daraus hervorgegangen“, sagt der Verbandsvertreter.

Die Fahrlehrer wollen sich aber nicht wehrlos in ihr Schicksal ergeben. Ihr Ziel heißt: Verbesserung der Ausbildung, intensivere und vor allem längere Schulung also. Und der Verkehrsminister kommt ihnen dabei entgegen, indem er einen Stufen-Führerschein einführt, der die Möglichkeit der nachträglichen Schulung eröffnet. Kritisiert der frühere Bundesrichter Dr. Spiegel: „Eine unüberlegte Sache, denn mit der Heraufsetzung der Eintragungsgrenze in der Flensburger Verkehrssünder-Kartei von 40 auf 80 Mark hat man sich die Möglichkeit der Überprüfung junger Führerscheininhaber stark erschwert.“

Der Fahrlehrer-Verband sieht indessen noch mehr Möglichkeiten, sich und seine Kollegen ins Geschäft zu bringen: Erstens soll die Nachschulung „auffälliger Autofahrer“ (die mehr als neun Punkte in Flensburg erreicht haben) nach Meinung der Fahrlehrer bundeseinheitlich vorgeschrieben werden; positive Erfahrungen mit der Nachschulung liegen schon vor. Zweitens sollen auch jugendliche Mofafahrer eine Fahrausbildung bekommen – wo anders als in der Fahrschule?

Mit ihrem dritten Vorschlag wollen die Fahrschulen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, nämlich ein neues Arbeitsfeld erschließen und zugleich den eigenen „Nachwuchs“ unter Kontrolle bringen: Die Bundeswehr sollte aufhören, Jahr für Jahr neue Fahrlehrer auszubilden, die dann, aus dem bunten Rock entlassen, den Konkurrenzdruck auf dem Markt noch weiter verstärken. Statt dessen sollten die selbständigen Fahrlehrer die Gemeinen und Gefreiten in der „Fahrschule der Nation“ ausbilden.