Der tückische Wähler

Den etablierten Parteien steckt der Schreck über den Ausgahg der Europajyahfnoch in den Gliedern.

Über alle Parteigrenzen hinweg ist man sich einig: Der Wähler hat sich wieder mal als tückisches, undankbares Luder erwiesen und schmählich versagt. Er hat seine Stimme bei dieser Wahl vorr wiegend dazu benutzt, durch vorlautes, freches Verhalten die Parteien zu brüskieren.

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Die Enttäuschung in den Parteizentralen richtet sich nicht einmal gegen die hohe Zahl von Nicht Wählern, die bei einer Europawahl zu erwarten war. Auch haben sich die Parteien mehr oder weniger damit abgefunden, daß sie von ihren Stammwählern, wenn es nicht um Parlamentswahlen geht und die Sonne ins Grüne lockt, im Stich gelassen werden. In den Augen seiner Partei ist so einer zwar ein Taugenichts, aber wenigstens kein Verräter.

Auch an die sattsam bekannte Unberechenbarkeit und Unzuverlässigkeit der Wander- und Wechselwähler - die Todfeinde der Meinungsforschüngsinstitute hat man sich wohl oder übel gewöhnt.

Bei der Europawahl machte sich aber eine relativ neue Spezie von Wähler unrühmlich bemerkbar: der „Denkzettel Wähler", volkstümlich auch „Daffke Wähler" genannt, der mit seinem Stimmzettel alle Berechnungen und Spekulationen zunichte machte, übrigens nicht nur bei uns. Damit ist der Wähler geradezu zu einem Sicherheitsrisiko geworden.

Stimme ganz bewußt nicht der eigenen, sondern einer anderen Partei, die er zwar Dieser Deserteur gibt seine nicht liebt, womöglich nicht, einmal schätzt. Es geht ihm nur darum, seiherPartei eine Watschn zu verpassen. Dazu neigen oft gerade fanatische Parteigänger; die in ihrer Zuneigung einfach zu tief enttäuscht wurden. Schon lange hatten sie darauf gewartet, der „Mutter", fast schon masochistisch, in den Rücken zu fallen. So eine Gelegen heit war für sie der 17. Juni, der „Tag der Denkzettel", an dem sie die Grünen, die als einzige davon profitierten, zu „Denkzettel Sammlern"

machte.

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