DIE ZEIT

Armes Europa

Auf dem Stuttgarter Europa-Gipfel im Frühsommer 1983 wurde das Paket geschnürt und zum Athener Dezember-Gipfel weitergereicht.

Die halbherzige Steuerreform

Wenigstens zum Ausklang einer Saison der Mittelmäßigkeit und der Pannen wollte die Bonner Koalition noch einmal Stärke manifestieren, wenigstens noch kurz vor dem Abschied in die parlamentarischen Sommerferien Überlegenheit aufblitzen lassen – beim Abbau der Steuerlast und bei der Sanierung der Staatsfinanzen.

Lebers Lösung

Vom 1. Juli 1984 an soll der Lohn um 3,3 Prozent erhöht werden und für die Zeit vom 1. April 1985 bis 1. April 1986 um zwei Prozent.

Schlußpfiff

Vielleicht gibt es ja doch eine Gerechtigkeit. Wenige Sekunden nur haben gefehlt – und Jupp Derwalls trostlose Truppe wäre ins Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft gestolpert.

Zwölf Wochen Streik sind genug

Zwölf Wochen dauert jetzt schon der Streik im Druckgewerbe, sechs in der Metallindustrie. Der Volkswirtschaft sind Milliardenschäden entstanden; die Ausfälle an Steuern und Sozialabgaben werfen alle Finanzpläne über den Haufen; unsere Exportkraft wird in lebenswichtigen Bereichen geschwächt.

Innerdeutscher Konflikt: Asylanten in der Sackgasse

Wenn der Ostberliner Anwalt Wolfgang Vogel, der diskrete Vertraute und Beauftragte Erich Honeckers in vielen heiklen innerdeutschen Dingen, öffentlich davon spricht, die deutsch-deutschen Beziehungen stünden auf dem Spiel, dann ist tatsächlich Gefahr im Verzug.

Worte der Woche

„Ich kann diese Art der Pressepolitik, die offensichtlich darauf abzielt, sowohl auf die Bundesregierung als auch auf die DDR-Führung Druck auszuüben, nur als unverantwortlich und schädlich bezeichnen.

Ein Exempel an der Elbe

Der Hamburger Senat und ein Giftsünder – Boehringer-Werk Moorfleet, eine Fallstudie

Am Werkstor wird es ungemütlich

Vor dem Verlagsgebäude der Frankfurter Rundschau in der City hat der Arbeitskampf folkloristische Züge angenommen: Die Streikposten mit dem roten Button am Hemd wirken wie Teilnehmer an einem Straßenfest.

Brücken in Budapest

Der alte Mann und das Heer der Journalisten stehen einander schon seit fünf Minuten gegenüber. In der Westminster-Imitation des Budapester Parlaments, der einstigen Stätte hochfliegender Residenzträume gegen Wien, erscheint der graugewanaete Gastgeber mit dem auffällig breiten Kreuz wie ein bekümmerter Glöckner, der längst erfahren hat, daß keine großen Zeiten einzuläuten sind.

Harte Töne in Moskau

Bei seinem Besuch in Moskau scheute François Mitterrand vor Provokationen nicht zurück. Gleichwohl machten die Sowjets eine Geste: Mit keinem Wort erwähnten sie ihre alte Forderung, wonach die französischen Mittelstreckenraketen bei Abrüstungsgesprächen mitgezählt werden sollen.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Manuela Happe, die dem Umfeld der „Rote Armee Fraktion“ (RAF) zugerechnet wird, wurde nach einer Schießerei auf einem Campingplatz in der Nähe von Esslingen festgenommen.

Kernig bis ins Krankenhaus

Wenn Frau Thatcher mich sprechen möchte, soll sie herkommen. So reden in Großbritannien nicht mehr viele. Eigentlich sind es nur zwei Personen, die sich das erlauben könnten.

BONNER BÜHNE: Rückschlag für einen Ungeliebten

Stoff genug zum Nachdenken hat die SPD bekommen: Das renommierte Heidelberger Sinus-Institut erläuterte dem Parteivorstand in Klausur eine langfristig angelegte Untersuchung, aus der hervorgeht, wie heterogen die Anhängerschaft der SPD wirklich ist; ihre politischen Zielvorstellungen, Lebensumstände und haltungen widersprechen einander diameteral.

Wolfgang Ebert: Der tückische Wähler

Den etablierten Parteien steckt der Schreck über den Ausgang der Europawahl noch in den Gliedern. Über alle Parteigrenzen hinweg ist man sich einig: Der Wähler hat sich wieder mal als tückisches, undankbares Luder erwiesen und schmählich versagt.

Tschechoslowakei: Ein Rest von Hoffnung

Es spukt auf der Prager Burg – zumindest in den Köpfen abergläubischer Atheisten: Sie sehen Gespenster aus dem Vatikan. Zwar ist der polnische Papst weit und seine Kirche in der Tschechoslowakei fast nur noch ein Schatten ihrer selbst, doch drüben im erzbischöflichen Palais auf dem Burgplatz sitzt – furchterregend, obschon isoliert und machtlos – der Kardinal Tomasek.

Die Verantwortung des Westens: Polen fühlt sich alleingelassen

Was lange vorauszusehen war, geschieht nun: Polen, innerlich schwach, von seinen Verbündeten isoliert und mißtrauisch observiert, vom Westen fallen gelassen, gerät immer tiefer in sowjetische Abhängigkeit, Während alle Alliierten Moskaus außer dem stockkonservativen Prag sich fast verzweifelt bemühen, den Großmächtekonflikt von Europa fernzuhalten und von der Entspannung zu retten, was irgend geht, ist von Polen nichts zu hören und zu sehen.

Die Einsamkeit des Forschers

Vor 38 Jahren, Ende März 1946, betrat ich, nachdem ich am Tag zuvor aus dreijähriger amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war – zum ersten Mal eine deutsche Universität, und zwar als Studienbewerber die Universität Göttingen.

Bilder vom Lande: Künstlich wiederbelebt

Wie kommt ein Mensch nach Ilverich? Am ehesten wohl durch Zufall. Seit der Eingemeindung in den Düsseldorfer Nobelvorort Meerbusch im Jahre 1970 heißt das Dorf postalisch nur noch „4005 Meerbusch 3“.

Ärgernis: Niederlage für Nike

Der Glückwunsch des Künstlers an die Käufer seines Kunstwerks war verfrüht. „Mit der Nike“, hatte Günther Zamp Kelp von der Gruppe Haus-Rucker-Co erklärt, „mit der fünfzehn Meter hohe Metallplastik, nach dem Vorbild der klassischen Nike von Samothrake geschaffen, darf einstweilen nicht am Main-Ufer Platz nehmen.

Bonn satirisch

Es fällt zunehmend schwerer, der Politik humorvolle Seiten abzugewinnen. Einer, der dies allen Beschwernissen zum Trotz immer wieder versucht, ist Martin Bernstorf.

Hoffenaufeinensanften Tod

Bis Ende vergangener Woche hat die IG Metall 400 Millionen Mark an Streikende und Ausgesperrte gezahlt. Jede weitere Woche des Arbeitskampfes kostet die Metaller rund 110 Millionen Mark.

Vor einem Scherbenhaufen

Das haben die beiden Seiten nicht gewollt.“ Dies ist das Fazit eines Mannes, der die Stimmungslage auf beiden Seiten der Tariffront genau kennt.

Das Biedenkopf-Modell

In einem nur an die beiden Verhandlungsführer gerichteten Anschreiben heißt es: „Persönlich sehe ich in einer Verkürzung der Jahresarbeitszeit um rund zwanzig Tage .

Arbeitskampf in der Druckindustrie: Ein schroffes Nein

Der Eklat war programmiert; er wurde von den Arbeitgebern der Druckindustrie in Kauf genommen. „Wir mußten die Biedenkopf-Vorschläge sofort ablehnen“, sagt Manfred Beltz Rübelmann, der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, „auch wenn das in der Öffentlichkeit nicht leicht verstanden wird.

Retter in der Not

Ob Freund oder Feind – wer Georg Leber charakterisiert, der benutzt immer dasselbe Bild: Der Leber ist ein „Brückenbauer“, heißt es stets.

So arbeitet der Katalysator

Die Reinigung von Autoabgasen mit Hilfe eines Katalysators ist eine vergleichsweise alte Technik: Seit mehr als zwanzig Jahren ist das Verfahren bekannt, es geht auf eine deutsche Erfindung zurück.

Umweltschutz: Zwischen Wahl und Wahl

Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann war in der vorigen Woche vor Automobil-Managern bemerkenswert offen: Das Thema Waldsterben, so kommentierte er, „ist wahlentscheidend“.

Die Fehler des Ministeriums

Kritiker der Verkabelungspolitik von Postminister Christian Schwarz-Schilling, auch solche, die seine medienpolitischen Grundsätze teilen, haben von Anfang an befürchtet, daß sich die Milliarden nicht rentieren werden, die der Postminister in ein neues Kupferkabelnetz zur Programmverteilung investieren will.

Zauberer im Kabel-Zirkus

In der Werbebroschüre zur Hebung des eigenen Images, die Postminister Christian Schwarz-Schilling zu Beginn dieses Jahres von seinen Beamten unters Volk streuen ließ, stehen viele schöne Sätze von ihm über ihn – etwa dieser: Ein christlicher Politiker wie Schwarz-Schilling „ist durch sein Menschenbild nicht darauf angelegt.

Streit um einen Fetisch

Der erbitterte Kampf um die Wochenarbeitszeit hat dazu geführt, daß die Zahl 40 im Tarifvertrag für manchen Funktionär auf beiden Seiten des Verhandlungstisches eine geradezu mystische Bedeutung bekommen hat.

Sündige kräftig!

Die erste Nachricht vermeldete wenig Friedens-Bewußtsein: Die Sowjetunion, folglich auch die DDR, schließlich auch Polen, Ungarn und Jugoslawien boykottieren in diesem Jahr die Segelwettbewerbe.

Ausstellung in Hamburg: Kennen Sie Korea?

Nach viel Tut-Ench-Amun und Nofretete, dem Gold der Thraker und der Mexikaner, setzt das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg dieses Jahr einen neuen Akzent im kulturhistorischen Ausstellungsgeschäft.

Zeitmosaik

Ein Huhn mit Psychoanalysefimmel flog auf ein Gestell mitten im Hühnerstall und sagte so laut, daß es alle hören konnten: „Die Mütterlichkeit ist die Sublimation des Eis.

Gegenreden und Rühmen

Lieber würde ich die Maultrommel schlagen oder die Mundharmonika blasen, als über Literatur reden. Und lieber würde ich über Literatur reden, als über das gegenwärtige Geschäft, den gegenwärtigen Umgang, den gegenwärtigen Handel mit der Literatur.

Sozialstaat mit neuer Dimension

Mut zum Risiko wird Ulf Fink niemand absprechen können. Der Berliner Senator für Gesundheit, Familie und Soziales hat das für Politiker ziemlich unerhörte Wagnis unternommen, über Menschlichkeit nicht nur zu reden, er will sie organisieren.

Die Stimmen von Amerika

Sie kommen irgendwoher: Stimmen der Technik, Stimmen ohne Münder, Stimmen, die Menschen zum Wahnsinn treiben

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