Niederlage für Nike
Der Glückwunsch des Künstlers an die Käufer seines Kunstwerks war verfrüht „Mit der Nike", hatte Günther Zamp Kelp von der Gruppe Haus Rucker Co erklärt, „mit der Nfke hott Frankfurt weiter kulturell af Fürs ersteist die Aufhöljaggestoppt "Denn die rund fünfzehn Meter hohe Metallplastik, nach dem Vorbild der klassischen Nike von Samothrake geschaffen, darf einstweilen nicht am Main Ufer Platz nehmen.
Der Grund: Die modernistische Verfremdung der antiken Marmorstatue im Besitz des Pariser Lowre stieß auf Widerspruch in Bürgerkreisen. Dei Plan, die überdimensionierte Flächenfigur an ihran fachwerkartigen Kragarm aus Stahl als Wairzeichen des Museumsüfers über den Main ragm zu lassen, blieb an einer großen Koalition von CDU und SPD im Sachsennäuser Ortsbeirat hängen. Eigentlich hatte sie zur Eröffnung des neuen Architekturmuseums aufgestellt werden sollen, um so nach dem Willen von dessen Leiter, Professor Heinrich Klotz, in der Verbindung von Tradition und Moderne dem Geist der neuen Museen als Sinnbild zu dienen.
Auch Oberbürgermeister Walter Wallmann hatte Gefallen an der Idee gefunden und die Anstrengungen von Klotz nach Kräften unterstützt, das Kunstwerk, für das sich auch Düsseldorf interessierte, nach Frankfurt zu holen.
Veil es „in diesen nicht leichten Zeiten der Stadt nicht ohne weiteres möglich gewesen wäre, ein solches Zeichen zu setzen", hatte Wallmann den Computerriesen IBM, in Frankfurt mit seiner größten Niederlassung vertreten, als Mäzen gewonnen.
Nach dem eiligen Protest wenige Tage vor der Aufstellung blieben dem Oberbürgermeister nur der Rückzug und das betretene Eingeständnis, es habe Versäumnisse in der Informationspolitik gegeben. Gewichtige Stimmen aus der Bürgerschaft wole man keinesfalls überhören.
Im Aufstieg der modernen Siegesgöttin ist es nicht der erste Karriereknick. 1977 war sie als Wahrzeichen der Ausstellung Forum Metall auf dem Dach der Kunsthochschule im österreichischen Linz installiert worden. Dort hielt sie sich nur zwei Jahre, dann mußte sie dem Protest einer lautstarken Bürgerbewegung weichen. Es half ihr nick die Fürspräche der gesamten Kunstwelt von Baion Brock ois Joseph Beuys, es half ihr auch nick die Expertise von Professor Heinrich Klotz, der in der Haus Rucker Nike „Technik und Poesie, Modernität und Geschichte, Revolution und Restauration in einen spannungsvollen, dialektischen Kontrast gesetzt" fand.
Die drei Künstler und Architekten von HausRucker Co, aus Oberösterreich stammend und herte in Düsseldorf schaffend, fanden wenig freindliche Worte für ihre Heimatstadt: „Wenn ich mir die Honoratioren anschaue", so Zamp Kelp, „dann weiß ich, daß sie Muffköpfen verdanmt ähnlich sind und ihr Lebenselixier darin sehen, mit Scheuklappen für Ruhe und Behaglichkei: zu sorgen Frankfurt schien Kelp, über die Linzer Entscheidung gar nicht traurig, als Heimat der Nike geeigneter, weil es der „international wesentlich attraktivere Standort sei" „Schon von daher", hatte er hoffnungsvoll hinzugesetzt, „dürften die Bürger wahrscheinlich weltoffener und gelassener reagieren". Indessen hat die Aussicht, nun mit ähnlich harschen Worten bedacht zu werden wie die Linzer Honoratioren, die Sachsenhäuser Kommunalpolitiker bislang nicht umstimmen können.
- Datum 29.06.1984 - 08:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.6.1984 Nr. 27
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