Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat stimmen gegen den Arbeitsdirektor

Der größte private Arbeitgeber in der Bundesrepublik wird in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich mit einem Arbeitsdirektor operieren, der die Mehrheit der „Arbeitnehmerbank“ im Aufsichtsrat gegen sich hat. Hans H. Schlitzberger, seit 1979 Leiter des Zentralbereichs Personal der Siemens AG, damals einstimmig in dieses attraktive Amt berufen, hat jetzt bei der anstehenden Verlängerung seines Vertrages nicht die im ersten Wahlgang erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit der Aufsichtsräte erhalten.

Die sieben internen und externen Mitglieder der IG Metall stimmten in der vergangenen Woche bei der Sommersitzung des Aufsichtsrates in Hamburg ebenso gegen ihn wie der Mann von der DAG. Nur der Vertreter der leitenden Angestellten und der von der „Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger“ (AUB) entsandte Arbeitnehmervertreter votierten gemeinsam mit den zehn Aktionärsvertretern für Schlitzberger. So stand es zwölf zu acht – es fehlten zwei Stimmen.

Nun ist dies für den 59jährigen Schlitzberger nicht weiter tragisch. Nach dem Mitbestimmungseesetz muß jetzt zwar ein Ausschuß gebildet werden, der innerhalb eines Monats einen neuen Vorschlag unterbreiten soll. Aber man kann mit Sicherheit davon ausgehen, daß Siemens seinen Personalvorstand nicht fallen läßt. Er wird einen Monat später dann mit einfacher Mehrheit bestätigt werden, die im zweiten Wahlgang ausreicht. Doch die kommenden fünf Jahre dürften für ihn kein Honiglecken werden.

Als vor fünf Jahren Schlitzberger auf den Chefstuhl im Personalbereich gehievt wurde, hatte er die volle Billigung des Betriebsrates. Dieser hatte keinen eigenen Vorschlag gemacht, nur den Wunsch geäußert, man wolle am liebsten einen erfahrenen Betriebsmann, nicht jemand – salopp gesagt – aus dem „Personalklüngel“. Auch als der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Peter von Siemens eine Liste mit drei Namen präsentierte, ließen die Arbeitnehmervertreter die Entscheidung dem Unternehmen. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Ferdinand Turek war von dem Diplomingenieur Schlitzberger, der davor neun Jahre lang als Werkleiter in Karlsruhe gewirkt hatte, recht angetan. Und wer sich mit Schlitzberger unterhielt, hatte den Eindruck, er habe viel frischen Wind in das davor betont konservativ geführte Personalressort gebracht.

Jetzt mag sich Turek zu dem „Fall“ so wenig äußern wie ein anderes Betriebsratsmitglied. Auen der bayerische IG-Metall-Vorsitzende Ediard Schleinkofer, ebenso Mitglied des Siemens-Aufsichtsrates, hält sich zurück. Statt dessen bringt die Motive der Betriebsräte und der Gewerkschaft sein Kollege Albert Schengber von der Zentrale der IG Metall in Frankfurt, weiterer „Externer“ im Siemens-Aufsichtsrat, auf den Nenner: „Wir haben gegen Schlitzberger keine persönlichen Animositäten. Aber er scheint uns nicht der richtige Mann für die spezifischen Aufgaben der betrieblichen Arbeits- und Sozialpolitik.“

Schengber wirft Schlitzberger vor, er vertrete zu einseitig Arbeitgeberinteressen, finde „kein richtiges Verhältnis zur Belegschaft“, kümmere sich zu viel um seine Verbandsangelegenheiten, sei zu viel auf Reisen und lasse überhaupt das „Engagement“ für seinen Job vermissen. Es gäbe auch zu viel Streit um Zuständigkeiten – etwa von Einzel- und Gesamtbetriebsrat – und „wegen jeder Kleinigkeit geht es vors Gericht“. Ständig, so klagt Schengber, sei eine Reihe von Arbeitsgerichtsprozessen anhängig. Über die Frage der Personaldatei etwa werde nun schon zwei Jahre lang gestritten – ein „haarsträubender Stil“.