Von Klaus Pokatzky

München, im Juli

Nein, nein, hatte Johann Baptist Metz vorher am Telephon gesagt: Er fallre diesmal nicht zum Katholikentag. Die ungeheure, unüberschaubare Fülle führe ja doch nur dazu, daß sich so vieles und Wichtiges geistig neutralisiere. Und diese fröhlichen Katholiken mit ihrem spontanen Dauerbedürfnis, zu singen und zu tanzen, meint der renommierte Theologe aus Münster, kenne man nun auch schon aus Freiburg (1978), aus Berlin (1980) und aus Düsseldorf (1982). Die Spontaneität sei auf Katholikentagen längst zu einer prognostizierbaren Größe geworden. Beim letzten Katholikentag vor zwei Jahren gehörte Metz zu den wenigen, die sowohl beim „offiziellen“, als auch beim Katholikentag von unten als Referenten verpflichtet worden waren.

Für Bayerns Kultusminister Hans Maier dagegen war dieser Katholikentreff ein großer Erfolg, ein Fest des Frohsinns und der Eintracht, das nicht, wie noch in Düsseldorf, durch lärmende katholisch-friedensbewegte Demonstranten gestört wurde. In München, so fand der CSU-Politiker und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, des offiziellen Veranstalters, gab es einen „Aufbruch der Jugend“. Mit den gleichen Worten hatte Maier auch schon in Düsseldorf und in Berlin seine Katholikentage gepriesen. So lag die Frage nahe, die die Korrespondentin des bischofseigenen Rheinischen Merkur stellte: Wann denn nun endlich die regelmäßigen Aufbrüche der Jugend ein Ufer erreichten? Die Jugendlichen, erwiderte Maier, hätten inzwischen doch schon zu einer eigenen Art gefunden, ihre Gottesdienste zu feiern – aber die Frage, wo und wann sie dieses auch im allsonntäglichen Kircheneinerlei dürfen, stellte niemand.

Noch unverbindlicher als in Maiers täglicher Pressekonferenz ging es zu, wenn die auch in München zahlenmäßig dominierenden Jungkatholiken mit Älteren zusammentrafen oder mit etablierten Kirchenvertretern diskutierten. Wenn Jugendliche mit Spruchtafeln gegen die von oben verordnete konservative Grundlinie der politischen Debatten aufbegehrten, fiel das schon aus dem Rahmen; es sprach sich gleich als kleine Sensation herum. Die Jungen ertrugen es mit Geduld, daß ihre Altersgruppe auf den Podien beinahe nie vertreten war, daß dort fast durchweg konservative Ansichten vertreten wurden und sie am liebsten gesehen wurden, wenn sie zur Gitarre griffen oder andächtig religiöse Lieder anstimmten.

Eine geschickte Organisation hatte es verstanden, die gelegentlich aufbegehrenden Jugendverbände weit weg vom Messegelände, dem Hauptort des Katholikentages, abzudrängen. Die Kirchenjugend durfte im Stadtteil Haidhausen mit Informationsständen und Zelten – singend, tanzend, diskutierend, jubilierend – vier Tage lang das Straßenbild prägen; die Masse der erwachsenen Katholiken allerdings ließ sich dort nicht blicken. Und noch weiter weg, im Stadtteil Berg am Laim, wo kaum noch einer hinkam, wurde das „Friedenscamp“ des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) versteckt, das noch in Düsseldorf für Aufsehen gesorgt hatte.

Weit weg vom Schuß mußte sich auch der Katholikentag von unten ansiedeln. Ihm konnten diesmal nicht einmal mehr Kirchenräume zur Verfügung gestellt werden, weil es im katholischen München angeblich keine gab. So mußten sich die linken, basisorientierten, alternativen, Ökumenebewußten, friedensbewegten, feministischen, schwulen Katholiken teure Räumlichkeiten in Hallen und Bierkellern anmieten.