Von Roland Kirbach

Berthold Mersmann drückt auf „Start“, der Kassettenrecorder läuft. Zu hören ist ein pfeifendes Geräusch, durchsetzt mit panisehen, verzerrt klingenden Schreien. Jemand ringt ganz offensichtlich nach Luft. Dann ein bellender, tonloser Husten. Berthold Mersmann drückt auf „Stop“ und erklärt nüchtern: „So klingt Pseudo-Krupp.“

Dr. Mersmann ist Kinderarzt im nordwestlichen Essener Stadtteil Borbeck; da, wo die Luft zum Himmel stinkt, jedenfalls bei Inversionswetterlagen. Und die bilden sich fast jede zweite Nacht. Dann kommt der Kinderarzt wenig zum Schlafen. Bis zu 20mal pro Nacht ist er dann schon von besorgten Eltern angerufen worden, deren Kinder röchelnd und um Luft ringend im Kinderbett lagen und zu ersticken drohten. Fast immer lautete die Diagnose des Arztes: Pseudo-Krupp.

„Unser zweiter Sohn“, berichtet ein Familienvater aus Borbeck, „hatte mit sechs Wochen den ersten Pseudo-Krupp-Anfall. Wir sind in einer Sonntagnacht, so irgendwann zwischen ein und zwei Uhr, ins Klinikum gerast und hatten dabei Angst, daß er den nächsten Hustenanfall nicht überleben würde, weil wir befürchteten, er würde ersticken.“

Solche Geschichten können die meisten Borbecker Eltern erzählen. Pseudo-Krupp – eine Krankheit, von der bis vor wenigen Jahren nicht mal der Name ein Begriff war, verbreitet Angst und Schrecken unter jungen Eltern.

In Essen ist Pseudo-Krupp mittlerweile ebenso bekannt wie Krupp. Doch hat die Krankheit mit dem Ruhrgebietskonzern nichts zu tun. Ihr Name stammt vielmehr vom französischen „Croup“. So wird eine entzündliche Kehlkopfverengung im Zusammenhang mit Diphterie bezeichnet. Tritt dieser bellende Husten ohne Diphtherie auf spricht man von „falschem Croup“ oder „Pseudo-Croup“, im Ruhrgebiet auch „Pseudo-Krupp“ geschrieben,

Das Heimtückische an ihm ist, daß er ohne jegliche Vorwarnungen und fast immer nachts auftritt. Besonders anfällig sind Säuglinge und Kleinkinder bis zu etwa vier Jahren, deren Atmungstrakt noch nicht sehr resistent ist. Werden Eltern durch Keuchen und Pfeifen aus dem Kinderzimmer aufgeschreckt, ist es meist schon höchste Zeit. Pseudo-Krupp läßt den Kehlkopf so rasant zuschwellen, daß Erstickung droht, wenn nicht umgehend Cortison verabreicht wird. Zuweilen legt sich ein Anfall erst nach Intubation einer Plastikröhre. Es sind auch schon Kinder an Pseudo-Krupp-Anfällen gestorben. In Borbecker Familien gehören Cortison-Zäpfchen inzwischen zur Grundausstattung der Hausapotheke,