Hörenswert

R. E. M.: „Reckoning“. Was dieses Südstaaten-Quartett auf seinem zweiten Album präsentiert, ist eine ganz hübsch eklektizistische Mixtur an „altmodischer“, ganz und gar gitarren-orientierter Rockmusik. Da klingt beispielsweise „Time After Time (Annelise)“ wie eine entfernte Reminiszenz an „All Tomorrow’s Parties“, das Velvet Underground-Meisterstück über modischen Ennui, „Camera“ wie eine Folk Rock-Ballade aus den großen Jahren von Fairport Convention, und mit melancholisch getöntem Country Rock weckt die Gruppe mit dem bizarren Namen Rapid Eye Movement Erinnerungen an die Pioniere des Genres, nämlich Byrds, Flying Burrito Brothers mit Gram Parsons und das Duo Dillard & Clark. Déjà vu-Gefühl kommt trotzdem nie auf, denn imitiert oder gar nostalgisch verklärt wird da nichts und niemand. Die Musik dieser Band fällt so sehr aus jedem Rahmen oder Stil-Klischee, daß ihr ebenfalls hervorragendes Debüt „Murmur“ umgehend wieder aus dem deutschen Katalog gestrichen wurde. Schlechte Zeiten für Rockmusik wie diese, die nicht als Wegwerf-Pop gehandelt werden möchte. (IRS/CBS 25 915) Franz Schöler

Heinz Erhardt: „Humor ist Trumpf“. Die beiden Schallplatten dieses Albums enthalten bisher unveröffentlichte Aufnahmen mit dem Kalauer- und Blödelmeister. Er verliest mehrere Reiseberichte, die möglichst seltsame Kunde von fremden Ländern geben, man wird Zeuge von Soloauftritten von sogenannten Bunten Abenden, und man hört Sketche sowie komische und komisch rührende Lieder, in denen der lustige Dichter auch selber singt und Klavier spielt. Nicht alles davon ist erstklassig, aber wer ein bißchen tiefer hineinhört in die Kalauer, die Spötteleien und die (Schüttel-) Reimblödeleien, in die akrobatisch verrenkten Metaphern, in die Wortspielereien, die Hörfehler, die Um- und Mißdeutungen, wird – nein, keine schneidende Gesellschaftskritik hören, aber eine amüsante ironische Veralberung des Lebens bemerken. Der Mundschmeiß, den Erhardt als feineres Wort für Maulwurf gefunden hat, ist harmlos, verglichen mit seiner Weisheit: „Der Mensch muß müssen, wenn er glaubt, gehabt worden zu sein.“ Erhardt hätte darauf einwerfen können: „Ich kann nicht Herr dieses Rätsels werden.“ Muß man? (Teldec 6.28641 DP) Manfred Sack